Bahn und Fahrrad bringen mich üblicherweise nach Hause. Manchmal kommt alles anders, wenn beispielsweise die Bahn einfach nicht auftaucht. Dann strandet man an einem dunklen Bahnhof auf der „schääl Sick“, latscht durch dunkle, stille Wohngebiete und wartet darauf, dass ein Taxi vorbeifährt (was bedeutet, dass ich bei jedem auch nur annähernd zu erkennenden Scheinwerferlicht hektisch wendehalsähnliche Bewegungen mache und mich unkontrolliert-zombiemäßig auf die Straße zubewege).
Wenn es immer weitergeht, dunkler, stiller und taxiloser wird, ruft man dann doch mal die Taxi-Hotline. Das ist ja heute wahnsinnig modern, wenn man vom Handy aus anruft, und man bekommt eine SMS mit dem Kennzeichen des Wagens und wann der ungefähr vorfährt. Ich lese die SMS und stehe an der angegebenen dunklen Straßenkreuzung herum. Ich hoffe inständig, dass das von anderen Vorbeifahrenden nicht missinterpretiert wird. Zum Glück hält keiner an. Bis auf das Taxi. Allerdings lassen sich die Türen nicht öffnen. „Hallo!!“, rufe ich. „Darf ich einsteigen oder nehmen Sie mich nicht mit?“ Die Verriegelung geht auf. Ich steige ein. „Ach, wissen Sie. Ich dachte schon, das sei wieder diese alte Frau, die sich, naja, selten wäscht. Die ruft auch immer zu dieser Kreuzung ein Taxi. Dann fährt man die zu einer Garage, in der sie wohnt, eher haust, und sie hat nie Geld.“ „…“ „Also, wissen Sie, auch als Taxifahrer muss man sich nicht alles gefallen lassen!“ Da pflichte ich ihm bei. Ich würde das wahrscheinlich genauso machen. Lampe aus, weiterfahren. Zum Glück bin ich nicht so alt wie die alte Frau, sonst hätte mich der Taxifahrer wahrscheinlich stehen lassen.
Und nur wenige Tage später erlebe ich meinen bisher mit Abstand besten Nachhauseweg von Köln nach Bad Godesberg: Bei einer Abendveranstaltung ist eine sehr aktive, sympathische, umgängliche ehemalige Bundesministerin zu Gast, die ich aus beruflichen Zusammenhängen kenne und die bei mir um die Ecke wohnt. Noch am Vortag haben wir uns zufällig an der Wahlurne im Schützenheim zur Wahl des Bonner Oberbürgermeisters getroffen. „Frau Harmuth, Sie fahren doch sicher auch noch nach Bonn? Also, der Fahrer von der Frau L. kommt um einundzwanzig Uhr dreißig, und Sie können mitfahren.“ HERRLICH. Noch dieser Tage habe ich eine Postkarte verschickt mit dem Spruch: „Ich hätte Prinzessin werden sollen“. So sieht es aus. Immer in Ledersitzen in der geräuschlos dahingleitenden BMW-Limousine über die Autobahn bis direkt vor die Haustür gefahren werden, das wär´s. Das eine Mal, das es mir vergönnt ist, genieße ich es ausgiebig und vergesse nicht, ganz brav gefühlte achtzehnmal Danke zu sagen.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.