Drei mittelalte Männeken mit Turnschuhen an den Füßen rocken die Kölner Lanxess Arena: Fantas are in da house! Der Vierte im Bunde: AndYpsilon – „bei der Arbeit nicht ansprechen“ – wie immer dezent im Hintergrund. Mittlerweile sind meine Spätzlekollegen um die 50 und müssen sich zwischendurch hinsetzen, auch ist kein Steg ins Publikum mehr verbaut, woran ich mich bei früheren Konzerten zu erinnern glaube, aber was soll´s, die Arena brodelt!
Mit ihrem aktuellen Album „Captain Fantastic“ sind Smudo, Thomas D., Michi Beck und AndYpsilon unterwegs, ich bin stolz, dass ich auch bei diesen neuen Songs vereinzelt mitgrölen kann. Ansonsten ist es hier natürlich auch so, dass nur die alten Texte richtig gut sitzen – die guten alten Klassiker, „Sie ist weg“ etwa oder „Die da“, die die Jungs tatsächlich nochmal aus der Mottenkiste holen, werden vom Publikum durchgängig mitgesungen. Also: mitgesprochen. Mitgerufen.
Die Fantastischen sind ehrlich ergriffen von ihrem Kölner Publikum, das sie gehörig abfeiert. Ich glaube, Köln ist ein sehr dankbares Publikum. Hier ist einfach immer Stimmung und Party, hat bestimmt was mit Karneval und dem rheinischen „Leeve un leeve lasse“ zu tun. Smudo baut in „Tag am Meer“ mit seiner Heliumflaschenstimme ein paar kölsche Floskeln ein, „Et es wie et es“, „Et kütt wie et kütt“ und piept „Viva Colonia“. Konfettiregen und Goldbänder werden aus Kanonen geschossen, yeah, Paaaaaarty!
Die Fantastischen Vier fand ich schon als schwäbischer Teenager in der Provinz toll: Dieses Jahr feiern die Jungs dreißigjähriges Bandjubiläum. Die Harmuth hopste schon in den Neunzigern in Ludwigsburg und Stuttgart zum Schwabenrap der Exoten mit zu großen Hosen, schräg aufgesetzen Kappen und ungelenkem Gehampel. Über all die Jahre bin ich ihnen „troy“ geblieben. Zum großen Finale, als Zugabe, hauen sie „Troy“ mit frisch bestückten Goldglitzerkanonen raus – da gibt es kein Halten mehr.
Dazwischen ist das Konzert eine Zeitreise, in die aktuellen Tracks werden kürzere und längere Schnipsel aus früheren Alben, auch aus dem allerältesten, eingebaut. Zu einem bahnt sich Smudo sogar seinen Weg quer durch den Publikumsblock vor der Bühne. Ach, die Jungs. Sind irgendwie wie Kumpels, die sich trotz des Erfolgs treu geblieben sind, nicht abgedreht sind, sie machen auf der Bühne ständig Witze über sich selbst und nehmen´s locker. Ernst wird es an ein, zwei Stellen, an denen die Vier politisch werden: eine Ansage gegen Rechts, gegen Nazis und für Toleranz. Drumherum: Party.
Ach, ihr Fantas, es ist, wie ihr singt: „Du hattest gute Zeiten, wir waren mit dabei, du hattest schlechte Zeiten, und wir war´n auch dabei“ – so wird es bleiben. Ich bleib euch troy.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.