Einsam auf der Hohen Acht

Seit Jahren schieben der Mann und ich eine Eifel-Wanderung aus dem Wanderführer vor uns her: Hohe Acht, Nürburgring, Nürburg. Daran gehindert haben uns: die Rennstrecke und die fehlende Einkehr. Nun, da alles anders ist, die Rennstrecke gesperrt und grundsätzlich nirgends Einkehr, waren wir unterwegs. Und so gut wie allein.

Schon zu Beginn der Wanderung streift man entlang des Nürburgrings durch den Wald, und ich bin erstaunt, wie schmal die Straße ist. Ich hatte mir das spektakulärer vorgestellt, so eine Rennstrecke. Immer wieder gehen wir im Laufe des Tages jeweils mehrere Hundert Meter am Nürburgring entlang, drunter durch oder drüber her, und ich bin auch nachträglich froh, dass wir diese Tour nie bei Betrieb der Strecke unternommen haben. Allenfalls, hätte ich einen Gehörschutz von der Arbeit dafür mitgenommen (wenn man bei einer Berufsgenossenschaft arbeitet, gibt es immer jemanden, der sowas im Schrank liegen hat). So hören wir die Vögel zwitschern und ansonsten nicht viel – außer den in erstaunlich hoher Dichte rund um die Örtchen Adenau und Nürburg über die Landstraßen bretternden getunten Prollautos autofetischisierter Adoleszenter. In Nürburg kann man wohl überhaupt nur wohnen, wenn man auf Autos, Auspuffdröhnen und Abgas steht, hier leben alle vom Nürburgring, die Einkehren heißen „Racer´s Retreat“ oder „Pistenklause“. Die mächtige, die umliegende Landschaft überstrahlende, dominant-ehrfurchteinflößend auf einem Hügel hockende Nürburg gibt es auch. Der Eingang zu ihr ist leider zugesperrt, so machen wir auf den Stufen vor dem Burgtor Rast mit der mitgeschleppten Rucksackverpflegung, statt wie geplant das Gelände zu erkunden und die sicher spektakuläre Aussicht – unter anderem auf die Hohe Acht – zu genießen. Hier muss das reichen, was der Weg rund um Nürburg an Aussicht hergibt, das ist auch schon was.

Gleich zu Beginn der Wanderung geht es auf die Hohe Acht hinauf, die mit laut Wikipedia 746,9 m höchste Erhebung der Eifel. Auf dem von Veilchen gesäumten schmalen Pfad erklimmen der Mann und ich den vom baufälligen Kaiser-Wilhelm-Turm gekrönten Eifelberg. Und sind mutterseelenallein. Damit hätte ich nicht gerechnet – dass wir eine Wanderung zu einem der Eifel-Hotspots schlechthin bei bestem Wanderwetter alleine bestreiten würden. Im Bergischen Land, wo wir die letzten beiden Wochenenden unterwegs waren, war es dagegen auf so manchem Wegstück regelrecht überfüllt. Und rund um die Hohe Acht und Nürburg: Weite und Leere, einige Mountainbikeler sind unterwegs, aber kaum Wanderer. So hat diese ganze verrückte Corona-Ausnahmesituation wenigstens für diese lang aufgeschobene Wandertour ein Gutes gehabt.

Der Kaiser-Wilhelm-Turm auf der Hohen Acht

Oben! Und das ganz allein! Kaum zu glauben
Blick auf die Nürburg und den gleichnamigen Ort
Sorry, we´re closed – das einzige Corona-Hindernis an diesem Tag
Die beiden Highlights des Tages auf einen Blick: links die Hohe Acht, mit der der Wandertag begann, rechts die Nürburg
Immer wieder geht es an der Rennstrecke des Nürburgrings entlang…
… und die „Alte Steilstrecke“ zu Fuß hinauf. Das Foto sieht harmlos aus, aber dieser Abschnitt trägt seinen Namen völlig zu recht – Alter, ist das steil hier!

Eines der ungezählten getunten Röhr-Bretter-Brummfahrzeuge, die das Bild in den Orten und auf den Straßen rund um den Nürburgring prägen.
Von der Sonne angestrahlte Weidekätzchen
Sieht aus wie im Zauberwald, dabei ist der Nürburgring nur wenige Meter entfernt