Die Schlüpperstory

Nein, keine Sorge, schlüpfrig wird es nicht. Auch wenn es um einen Schlüpfer geht. Dreh- und Angelpunkt sind die seltsamen Situationen, in die man mit Online-Shopping kommen kann.

Auch wenn der Winter im Rheinland gemeinhin eher mild ist, kann die blasenempfindliche 40-plus-Frau warme Schlüpper gebrauchen. Zum Herumstehen auf dem Weihnachtsmarkt etwa oder für den verschwitzten Heimweg nach dem Sport. Angora leistet für solche Zwecke treue Dienste, wenn auch schon wieder mit halb schlechtem Gewissen, schließlich geht es vielen Angora-Hasen nicht besser als den Daunen-Gänsen. Also bei der Artikelauswahl auf entsprechende Zertifikate, die glücklich enthaarte Hasen versprechen, geachtet und über Amazon Marketplace zwei wärmende Unterbuchsen bestellt. Vorkasse, natürlich. Schlüpper eins trifft kurz darauf bei mir ein, auf dem Lieferschein ist handschriftlich bei Schlüpper zwei vermerkt, dieser werde nachgeliefert. Im Amazon-Konto sind aber beide Artikel als geliefert und empfangen gebucht.

Daraufhin beginnt eine Art unfreiwilliger Brieffreundschaft über den von Amazon bereitgestellten Kontaktweg mit der Marketplace-Verkäuferin. Schlüpper zwei wird angeblich ein paar Tage später versendet, auf zweimalige Nachfrage hin dann doch nicht, er trifft auch nie bei mir ein. Schließlich verliere ich die Geduld und habe keine Lust mehr, ständig mit der Angora-Amazone Nachrichten auszutauschen und fordere mein Geld für Schlüpper zwei zurück. Erstattet bekomme ich den Betrag für den günstigeren und gelieferten Schlüpper eins. Ich muss die Brieffreundschaft also doch noch so lange fortsetzen, bis der richtige Erstattungsbetrag gebucht wird. Danach ist für mich die Sache endlich erledigt, für die Amazone aber nicht. Sie findet es nicht gut, dass ich ihr eine schlechte Bewertung auf Amazon gegeben habe. Sie bittet mich nun täglich inständig, meine Bewertung zu ändern.

Wir halten fest. Ich hätte in den stationären Handel gehen können, ein Sanitätshaus oder ein Wäschegeschäft. Ich hätte dort zwei Schlüpper gekauft, bezahlt, Ende der Geschichte. Aus Bequemlichkeit (mich in der Vorweihnachtszeit durch überfüllte Einkaufsstraßen schieben lassen, nee, danke, erstmal rausfinden, wo überhaupt ein Sanitätshaus in der Nähe ist und wann das geöffnet hat, nee danke) klickt man bei Amazon herum. Am Ende hat mich die Geschichte ein Vielfaches an Zeit und Nerven gekostet, allein der Erstattungszirkus rund um die vertauschten Schlüpper, und ich habe nur einen statt zweien, außerdem eine unfreiwillige Brieffreundschaft mit einer Nervensäge, die in Wäsche macht. Ich nehme es mir wieder vor, wie schon so unzählige Male zuvor: Nicht mehr online einkaufen. Nicht mehr online einkaufen. Nicht mehr online einkaufen. Und ich werde es wieder nicht schaffen, ich weiß es schon.

Hätte, hätte – hätte ich mal besser in einem solchen Geschäft eingekauft. Das Foto ist schon ein paar Jahre alt, wahrscheinlich gibt es diesen Laden in Düsseldorf auch schon lange nicht mehr. Weil immer alle so wie ich zu faul sind hinzugehen und sich stattdessen mit fragwürdigen Onlinehändlern herumschlagen.