Deutschlands Unternehmen tun sich schwer, Frauen in Führungspositionen zu akzeptieren und sie dorthin zu befördern bzw. dafür einzustellen. Meines Erachtens liegt das schlicht und einfach daran, dass die Männer im beruflichen Umfeld durch ihren jahrhundertelangen Vorsprung immer noch das Sagen haben und überhaupt keine Lust haben, daran irgendetwas zu ändern.
Nach wie vor ist es sehr schwer, gegen Club- und Golffreundschaften, Hinterzimmergemurmel, Bruderschaften aus Studientagen und Papis geerbtes Netzwerk der männlichen Kollegen anzukommen, wenn man als Frau antritt. Zudem verweigern sich die meisten Frauen schlichtweg den rituellen Männer-Machtspielchen, die schon in jedem kleinen Meeting zutage treten, kümmern sich lieber um das Sachliche und schaden ihrem Fortkommen so zusätzlich.
Deshalb finde ich die Quote gut, die zumindest zu einem gewissen Grad Frauen in Führungspositionen bringt. Wir reden ja nicht einmal von 50 oder mehr, sondern in der Regel gerade mal von 20 oder 30 Prozent in diesen Zusammenhängen. Das ist nicht einmal ein Drittel der Positionen. Geradezu irrwitzig scheint mir vor diesem Hintergrund eine Stellenausschreibung, die mir in den letzten Tagen begegnet ist. Eine Hamburger Hochschule besetzt die Position „Leitung der Stabsstelle Presse und Kommunikation“. Und schreibt dazu: „Die HAW fördert die Gleichstellung von Frauen und Männern. In dem Bereich, für den diese Stelle ausgeschrieben wird, sind Männer unterrepräsentiert im Sinne des § 3 Abs. 1 des Hamburgischen Gleichstellungsgesetzes (HmbGleiG). Wir fordern Männer daher ausdrücklich auf, sich zu bewerben. Sie werden bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung vorrangig berücksichtigt“.
Nun mag das in der Sache richtig sein, dass in Kommunikationsjobs mehr Frauen als Männer arbeiten, aber auch da ist es – zumindest in meiner subjektiven Erfahrung – so, dass sich, wenn Männer vorhanden sind, diese dann eher auf den Führungspositionen tummeln. Dies im öffentlichen Dienst derart per Ausschreibung zu zementieren, erscheint mir schlichtweg als Farce. Zum Thema passt als kleine Randnotiz, was einer Freundin neulich passiert ist. Für ihren Kunden auf einem Kongress in Berlin, Männer deutlich in der Überzahl, Smalltalk am Stehtisch. Die Freundin: „In diesen frühen Businessfliegern von Köln oder Düsseldorf nach Berlin sitzen wirklich kaum Frauen, vielleicht zehn im ganzen Flugzeug.“ Darauf ein Tischnachbar: „Deshalb kann man da auch immer so gut schlafen. Gibt eh nix zu sehen, also Augen zu.“ Es ist noch ein langer Weg, den die berufstätigen Frauen zu gehen haben.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.