Dem Kölner Dom kann man aufs Dach steigen. Und in seinen Innereien herumwuseln. Das geht im Rahmen einer Führung mit einer Person aus der Dombauhütte, in unserem Fall einer sehr spannenden Lady, die aussah, als hätte sie kurz zuvor noch für ein Fantasystück auf einer Theaterbühne gestanden. Am meisten beeindruckt an dieser dunklen Dom-ina hat mich, dass sie mit irrsinnigen Plateaus und einer lebensgefährlich die Beine umwickelnden Marlenehose engste Treppchen, finsterste Gässchen und luftigste Gerüstbauten durchschritt, als wäre sie eine schwarze Elfe. Mit ihrer Garderobe, da bin ich mir extrem sicher, wäre ich aus dem Stolpern nicht herausgekommen und spätestens auf der Gerüstplattform in 48 Metern Höhe in den Tod gestrauchelt. Ich hatte extra flaches Schuhwerk gewählt. Vielleicht sind die Menschen, die in der Dombauhütte des Kölner Doms beschäftigt sind und die Fassaden herauf- und herunterklettern, in filigranen Gerüstkonstruktionen herumsteigen und den wackligen Lastenaufzug betätigen wie an anderen Orten livrierte Liftboys luxuriöse Glaskabinen, auch einfach in Gottes Hand und müssen sich um irdische Gefahren zu hoher Absätze oder hindernder Hosenbeine einfach keinerlei Gedanken machen. Ich fühlte mich sehr irdisch, sehr schwer. Auf der Gerüstkonstruktion war mir etwas blümerant zumute. Obgleich auf dem Aussichtstürmchen jenseits von Süd- und Nordturm von ästhetisch ansprechenden Engeln beschützt, kam mir die windexponierte Stelle sehr kalt und umtost vor und ich wurde den Gedanken gar nicht los, in diesem Wind und in dieser Höhe irgendwie angeseilt Kreuzblumen austauschen zu müssen. Selbst die Tatsache, dass es der Denkmalschutz bis in die 1970er Jahre hinein möglich machte, dass in den Kreuzblumen Gesichter von Politikern und Fußballern, in den Wasserspeiern Betriebsratsvorsitzende (!) und der „Hennes“ verewigt sind – selbst diese illustren, irgendwie typisch kölschen Kuriositäten konnten mir den Schrecken davor, so etwas von Berufs wegen in dieser Höhe anbasteln zu müssen, nicht nehmen. Spektakulär war die Tour allemal. Sätze wie „Gewölbe sind sehr empfindlich“ oder „Sechs Millionen Besucher im Jahr, die meisten davon im Sommer, da riecht es schon mal stark nach Mensch“ oder „Diese Treppe hier, das ist Ikea des 19. Jahrhunderts“, die hört man wohl nur von einer Dombauhüttenelfe in dunklen Winkeln dieser imposanten Kathedrale.
| Den Vorgängern dieser beiden schmucken Engelchen waren die Flügelchen abgekracht. Jetzt werden ringsum die Verbliebenen erneuert, um Tod durch Flügelschlag auf der Domplatte zu verhindern. |
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.