Der Botanische Garten

Europa: Eingang Botanischer Garten. Kasse. Drinnen. Brasilia: Eingang Botanischer Garten. Kasse. Zwei Kilometer Weg, den alle anderen mit dem Auto zurücklegen, wie es auch in der Übersichtskarte hinter der Kasse eingezeichnet ist. Wir haben keines, stapfen die mit rotem Sand vollgestaubte Straße entlang und lassen Autos an uns vorbeibrettern.

Am Ziel angekommen, stellen wir fest, dass ein Botanischer Garten auch einfach ein Park mit Café am See sein kann und setzen uns auf die dortige Terrasse. Eine Sirene, die ansonsten vielleicht bei einem Luftwaffenangriff passen würde, ertönt. Der Botanische Garten schließt. Wir trotten die zwei Kilometer durch Sand und Staub zurück und der liebe Gott kann manchmal wohl tatsächlich Gedanken seiner Menschlein auf Erden lesen. In meinen geht es zu wie in einer Comic-Blase von Asterix während eines Faustkampfes. Ein Auto nähert sich von hinten, bleibt stehen, die Fahrerin winkt uns herein. Nachdem radebrechend und wild gestikulierend klar geworden ist, dass wir zum Saida (das Wort für Ausfahrt haben wir zum Glück oft genug am Wegesrand gesehen) und von dort mit dem Uber zurück zum Haus meiner Freundin wollen, steuert sie über holprige Abkürzungen einen großen Verkehrskreisel mit Bushaltestelle an, an den wir einen Uber-Fahrer bestellen können. Ich bin so gerührt und dankbar, aus der roten Sandlatschwüste von dieser Frau im roten Kleinwagen erlöst worden zu sein, dass ich glaube, der weite, weite, unverbaute Himmel über Brasilia schickt Hilfe, wo sie sonst gar nicht gesehen werden kann.

Für ein Foto vor dem Café im Botanischen Garten hat es gerade noch gereicht.