„N Hund in der Stadt? – Keine große Sache!“, dürfte der gemeine Hundebesitzer sagen. Und wenn es ein großer Hund ist? „I wo, erst recht nicht! Hauptsache, das Tier hat Auslauf!“ Bei eben jenem fallen aber proportional zur Statur des Hundes große, größere und riesengroße Sachen an. Eine dem überdimensionierten Hund angemessene, ausnehmend imposante Hinterlassenschaft durfte ich neulich, wenige Meter von meinem Außentisch beim Spanier in Bonn entfernt, betrachten. Frauchen war vorausschauend vorausgeeilt, damit ja niemand auf die Idee käme, sie mit dem ausladend defäkierenden Tier in Verbindung zu bringen. Oder gar von ihr zu verlangen, den veritablen Sauhaufen mit eigener Hände Arbeit zu entfernen.
So blieb er. Der Haufen, nicht der Hund – der trottete frohsinnig erleichtert von dannen. In allen Farben des Himmels schimmernde, fette Schmeißfliegen fanden sich beeindruckend schnell auf dem Schmaushaufen ein. Magisch wurde mein Blick vom gigantischen Geschäft angezogen und das Ganze wäre wohl eine Szene für eine Theaterbühne. Dieser Thrill, der sich aus einem prominent positionierten Hundehaufen auf einem innerstädtischen Bürgersteig mit entsprechend viel Durchgangsverkehr an einem Sommerabend ergibt, ist nicht zu verachten. Menschen, zu Fuß, allein, in Gruppen, auf dem Fahrrad radelnd, ein Fahrrad schiebend, mit Einkaufstaschen, ohne, dafür mit Bier in der Hand – allerlei war los auf dem Trottoir. Ich zuckte ständig zusammen, weil es immer so aussah, als würde der ältere Herr mit Schlapphut, als würde eines der Teenie-Mädchen mit sommerlich-leichten Stoffballerinas, der Studi in Schlappen neben seinem Fahrrad herschluffend, die gut gekleidete Dame mit Sandalen und Sonnenhut – den Kotberg erwischen. Alle hatten sie Glück. Meine Freundin, mir gegenübersitzend und damit dem Haufen abgewandt, las meine Mimik und unterbrach unser Gespräch oft mit: „Uhuund? Reingelatscht?“ – „Oh, hat´s jetzt jemanden erwischt?“ Nein, alle kamen sie davon.
Aber uns hat es erwischt, meine Freundin und mich. Der Hundehaufen befand sich nicht nur mitten auf dem Bürgersteig, sondern auch vor einer Einfahrt. Selbige direkt neben unserem Spaniertisch gelegen, nur durch eine rankende Weinrebe abgetrennt. Ein Auto nähert sich. Oh nein – es wird doch nicht… Doch. Es biegt ein, Richtung Einfahrt, einer der Vorderreifen matscht akkurat mitten durch den Stinkeberg und das Auto kommt mit der Vorderachse in Höhe unseres Tisches zum Stehen. Es stinkt, von vorne, vom Reifen her, und von hinten, vom Bürgersteig her. Alles ist plattgematscht und stinkt zum Himmel, der ganze schöne Spanierabend im sommerlichen Bonn stinkt furchtbar nach Hundescheiße. Gerne würde ich die dezent davoneilende Hundebesitzerin an dieser Erfahrung teilhaben lassen. Vielleicht wäre es ihr eine Lehre. Einen Hund in der Stadt sollte sie definitiv nicht halten, jedenfalls nicht in dieser Größe.
| Weich, braun und auf dem Bürgersteig: auch eine Hinterlassenschaft, die dort so keiner braucht. Aber olfaktorisch ist ein Stoffbär lange nicht so schlimm wie ein Hundehaufen. |
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.