Ein Haustier haben der Mann und ich hier in Köln nicht. Eine Katze würde sofort auf der nahegelegenen vierspurigen Rheinuferstraße überfahren, fürchte ich, denn dort, am Rheinufer, sind die Mäuse und Ratten, und einen Hund trauen wir uns mit zwei Vollzeitjobs betreuungstechnisch nicht zu. Aber wir haben seit einiger Zeit einen Saugroboter, und das ist auch ein bisschen wie ein Haustier: ein Saugtier.
Der Saugroboter ist rund, flach und hält sich im Wohnzimmer in seinem Körbchen, also seiner Ladestation, auf. Er ist so programmiert, dass er täglich um 10 Uhr seine Runden durch die Wohnung dreht. Weil er aber – wie, so mein langjähriger Verdacht, alle programmierten Dinge – ein Eigenleben führt, startet er manchmal um 10.45 Uhr, manchmal nach 11 Uhr, manchmal gar nicht. Der Mann hat selbstverständlich eine App und das Saugtier abgerichtet. Darüber kann er immer genau verfolgen, was es in der Wohnung so treibt. Oder eben nicht, wenn es mal wieder einfach in seiner Ladestation geblieben ist.
Intelligente Saugtiere sind teuer – die intelligenten merken sich, wo sie wann entlanggesaugt haben, und erstellen eine Karte von der Wohnung, so dass sie nach einiger Zeit selbst Routen planen, wo wieder gesaugt werden müsste. Diese Kategorie war uns mit rund 800 Euro zu exquisit. Gestern habe ich gelesen, dass Rennpferde auf Profisportlevel 100.000 Euro und mehr kosten und man immer zwei oder drei davon braucht. Also, gemessen daran scheint mir unsere Entscheidung gegen einen intelligenten Saugroboter etwas kleinlich. Wir haben ungefähr 300 Euro investiert für einen, der chaotisch durch die Wohnung cruist. Wenn man zu Hause ist, während der Roboter saugt, tut er einem fast ein bisschen Leid, weil es passieren kann, dass er dreimal hintereinander an derselben Stelle saugt. Oft bleibt das Saugtier irgendwo hängen, denn es versucht, Hindernisse durch Klettern zu überwinden, Badvorleger etwa oder Tisch- und Stuhlgestänge. Dabei geht ihm dann manchmal der Saft aus. So kommt man nach Hause – und das Körbchen ist leer. Man begibt sich erstmal auf die Suche in der Wohnung, wo sich der Sauger diesmal verheddert hat. Bevor er ganz aufgibt, piept er immer noch ein paar Mal verzweifelt. Das nützt nun aber nichts, wenn Herrchen und Frauchen, denen das Saugtier hinterherentstaubt, entschwunden sind. Manchmal schafft es der Sauger zurück auf seine Station, verliert aber im Laufe seiner verschlungenen Pfade durch die Wohnung eines oder beide seiner Bürstchen. Dann sucht man nicht den Sauger, sondern kleine Bürstchen in allen Ecken, Winkeln, unter Kommoden und der Couch, was ungleich schwieriger ist als das ganze Gerät aufzuspüren. Bislang haben wir sie immer gefunden, doch ich bin mir sicher, eines Tages werden die Bürstchen unauffindbar sein.
Auf Facebook hat der Mann neulich einen abfotografierten Aushang gesehen. An einem Baum ein Blatt Papier, wie man das von entlaufenen Haustieren oder geklauten Fahrrädern kennt. In diesem Fall auf dem Foto: ein Saugroboter. Die Besitzer baten um Auskunft und Hilfe zum Verbleib: Das Saugtier war ihnen durch die offenstehende Wohnungstür abhandengekommen.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.
