Das erste Mal: Rennradfahren

Am Wochenende war es soweit. Die schicken neuen Rennräder „Desert Falcon Pro“ sollten ihrer in der Bezeichnung mitschwingenden Fügung zugeführt werden – und draußen schweben, fliegen und was Wüstenfalken sonst noch so machen. Beute? Die wären wir, der Mann und ich, auf dem Rad im Zweifelsfall selbst, auf der Kühlerhaube – deshalb besser nicht.

Frisch losgeradelt also, schnurstracks den Berg hochgezockelt (herrlich! Wie gut und schnell man Steigungen hochkommen kann mit dem Fahrrad, ich hätte es nicht für möglich gehalten), oben angekommen gleich zu Beginn des Waldstücks wieder die Route verloren. Wie eigentlich immer. Das extra angeschaffte Fahrradnavi schafft es nicht, uns auf den Weg zurückzulotsen. Oder wir können es nicht richtig lesen. Jedenfalls fahren wir wie in unseren rennrad- und navilosen Zeiten wirr durch die Gegend, bleiben an jeder Kreuzung alle fuffzich Meter stehen und versuchen uns mit Smartphone und Navi-Straßenschnipseln zurechtzufinden. Ich bereue es, dass ich nicht die gute, alte, zerknitterte und eingerissene Fahrradkarte eingepackt habe. Und denke an Marta, die mir in strenger Marta-Manier dozierte, dass sie aus eben diesen Gründen nur vorbeschilderte, organisierte Touren fährt.

An irgendeiner voreifeligen Steigung macht der Mann schlapp und will die ganze Mission abbrechen. Wir einigen uns auf eine Abkürzung (machen wir beim Wandern auch, allerdings sind da die Rollen umgekehrt verteilt, und so schnell, wie ich dann auf irgendeinem entdeckten Nebenpfad verschwinde, kann man „Abkürzung“ gar nicht aussprechen). Mehr oder weniger routensicher fahren wir unsere neue, kürzere Tour – und dann, dann passiert an einer Fahrradschildkreuzung doch noch der Klassiker. Den ganzen Tag habe ich mich furchtbar konzentriert und es verhindern können, und dann das: Ich bremse abrupt, um mir die Fahrradwegbeschilderung in Ruhe durchlesen zu können, und vergesse, dass meine Füße ja an den Pedalen kleben. Mit Klickis. Rumms, fällt die Harmuth mitsamt ihrem Fahrrad um. An beiden ist nix kaputtgegangen, nur ein Knie ein bisschen. Und die vom Ehrgeiz zerfressene Radsportlerin ärgert sich fortan nur noch, über die kurze Strecke, über das Umfallen, das schmerzende Knie, unebene Wege, rasende Autofahrer. Trotzdem ist Rennradfahren eine tolle Sache. Und wie alles im Leben wohl eine Frage der Übung.

Da haben wir Glück gehabt. So endete die Radtour immerhin nicht.