Marlies hielt die Medien in Atem. Was hat sie gemacht? Sich darüber geärgert, dass sie als Bankkundin und Kontoinhaberin nicht in den Formularen der Sparkasse Saarbrücken vorkommt, weil dort nur die männliche Form steht, und geklagt. Bis zum Bundesgerichtshof. Der die Klage leider abgewiesen hat. Der 80-jährigen Kampfeslustigen haben wir es bereits zu verdanken, dass Personalausweise nicht mehr nur „Inhaber“, sondern auch „Inhaberinnen“ haben können.
Der Sparkassen- und Giroverband hat so argumentiert, wie alte weiße Säcke immer argumentieren: Mit dem „generischen Maskulinum“ sind Frauen „mitgemeint“ – sind sie nicht: Wo nur die männliche Sprach- oder Schriftform auftaucht, assoziiert der oder die Lesende oder Lauschende nur Männer. Dazu gibt es diesen spannenden Artikel in der Stuttgarter Zeitung über die Studie einer Kognitionswissenschaftlerin der Uni Freiburg. Beispiel: Fragt man Menschen nach ihrem Lieblingssportler oder Lieblingsmusiker, werden überwiegend Männer genannt. Formuliert man die Frage dagegen neutral oder nennt explizit auch die weibliche Form, steigt der Anteil der weiblichen Genannten signifikant an.
Zweiter Vorwand des Verbandes, der sich passenderweise in einem Werbespot (Youtube-Titel leider mit schmerzhaftem Rechtschreibfehler…) dazu bekennt, statt der kreativen Lösung einer Frau die 0-8-15-Lösung eines Kollegen zu bevorzugen (leider lässt die Realität die feine Ironie des Spots vermissen): zu kompliziert. Es werde alles zu kompliziert. Nun, wer sich mal das Kleingedruckte in den AGB von Banken oder Versicherungen durchgelesen hat oder entsprechende Regelwerke, weiß, dass nichts auf der ganzen Welt komplizierter sein könnte als dieses. Schon gar kein zartes „in“ am Ende eines Wortes.
Und ganz gewitzt Argument Nummer drei: Jüngst habe das Bundesverfassungsgericht ein drittes Geschlecht anerkannt. Da lohnt sich der Aufwand der Umstellung auf ein zweites doch gar nicht! Leider, leider hat der Bundesgerichtshof die Klage abgewiesen. Vermutlich sitzen auch dort einfach nur zu viele alte weiße Säcke.
Pinkstinks-Petition für gendergerechte Sprache unterschreiben
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.