Kommunikationsmenschen sind Kummer gewöhnt. Ist man Dienstleister, erzählen einem Newbies auf Kundenseite mit näselndem, im halbjährigen Studienauslandsaufenthalt erworbenem Weltläufigkeitsakzent was von ihren Produktlinien und Wordings. Und kritzeln in Konzepten und Texten herum. Ist man auf Unternehmensseite, hat man es viel mit alten Hasen und ehrwürdigen Silberrücken aus Fachabteilungen und in der höheren Hierarchie zu tun, die ebenfalls alles besser wissen und können als der Kommunikationsmensch. Der hat es in der Wahrnehmung der anderen oft gerade mal so von Platons Höhlengleichnis ins echte Leben geschafft, sprich: keine Ahnung von gar nix. Man richtet sich irgendwie ein. Manchmal richtet man sich ein bisschen zugrunde. Das scheinen jetzt auch Arbeitgeber aus einer Ecke, in der man es gar nicht erwarten würde, nämlich der öffentlichen Verwaltung, ironisieren zu wollen: „Wir suchen eine eierlegende Wollmilchsau als Leiterin/Leiter der Hochschulkommunikation“, schreibt die fachhochschule stralsund (Kleinbuchstaben! Hipness-Indiz!), und erklärt weiter: „Unter dem Arbeitstitel AMBITION – FOKUS – KANTE werden wir nicht nur die gerade eben beschlossene Namensänderung umsetzen.“ Ist das eine Drohung? Potenzielle Bewerberinnen und Bewerber sollten sich unbedingt FOKUSsieren und gleich KANTE zeigen – und sich erst gar nicht auf die Stelle bewerben, ihre AMBITIONen anderweitig ausleben. Ich meine, wir reden hier von Berufen, in denen man einen Hochschulabschluss benötigt, und der Arbeitgeber schreibt schon in der Stellenanzeige, dass er einen mit jedem Scheiß zumüllen wird, natürlich ohne Budget und bei mittelprächtiger Bezahlung und selbstverständlich auf zwei Jahre befristet. Was soll die Sau denn können? „Wir wünschen uns Bewerber/innen mit einem einschlägigen Leistungsausweis, einer empathischen Macher- und Erfolgsmentalität, relevanter Berufserfahrung, hoher Service- und Innovationsorientierung, ausgeprägtem Organisationstalent und pragmatischer Outputorientierung (notabene bei kleinem Budget), also die eierlegende Wollmilchsau.“ Dann lässt die Kleinbuchstabenhochschule Milde walten: „Wir erwarten Persönlichkeiten, die sich bewusst sind, dies nicht zu sein und sich trotzdem bewerben. Deswegen sind gebrochene Lebensläufe und außergewöhnliche berufliche und persönliche Hintergründe keinerlei Hindernis. Ein einschlägiger Hochschulabschluss wäre für die vorgesehene tarifliche Einstufung erforderlich.“ Das ist aber sehr nett. Ich habe null Selbstbewusstsein, weil ich mich schon im Bewerbungsverfahren in den Dreck werfen lasse und dort herumwühle, habe aber einen potenziellen Arbeitgeber, der findet, dass Leute wie ich mit ihrem zusammengestoppelten Patchwork-Lebenslauf die Leitsau für einen Schweinestall von acht Mitarbeitenden abgeben können. Selbstverständlich kommt (öffentlicher Dienst) am Ende noch der obligatorische Hinweis: „Wir fordern deshalb qualifizierte Frauen ausdrücklich zur Bewerbung auf.“ Das ist wirklich eine Glanzleistung, im Zusammenhang mit dem Stellentitel. Andernfalls hätte man vielleicht das sprachliche Motiv des Leithammels oder Herdenbullen gewählt. Also, ich hätte jedenfalls die perfekte Besetzung für die Stelle:
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| Wildsau Wilma, wohnhaft auf der Harmuth-Wohnzimmercouch, gebürtig aus Oberstdorf. |
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.
