Behindern statt bewegen: realitätsferner Nahverkehr

„Menschen bewegen“ lautet der Claim der Kölner Verkehrsbetriebe. „Menschen behindern“ oder „Menschen zu Tränen bewegen“ wäre nach meinen aktuellen Erfahrungen treffender. Da ich die sechs Wochen Arbeitsweg bis zur Gültigkeit meines Jobtickets mit Wochen- und Monatskarten überbrücken muss (zum Vielfachen der Kosten, ich zahle für diese sechs Wochen so viel Geld wie für fünf Monate Jobticket), habe ich diese jeweils zu Wochen- bzw. Monatsanfang am Ticketautomaten erstanden.

„Dieses Ticket gilt nur in Verbindung mit einer Kundenkarte“, hat der Automat mir jeweils rot umrandet angezeigt. Ich wusste mit dieser Meldung nichts anzufangen, zumal jedes Mal der Bezahlvorgang funktionierte und ein Ticket ausgespuckt wurde. Da das frisch erstandene Monatsticket so sündhaft teuer ist, ich bin praktisch Platinumkunde, habe ich sicherheitshalber doch mal bei der KVB Servicehotline nachgehört, was es mit dieser Automatenmeldung und der Kundenkarte auf sich hat. „Haben Sie das Ticket schon gekauft?“ – „Ja.“ – „Haben Sie eine Kundenkarte?“ – „Nein, deshalb rufe ich ja an.“ – „Sind Sie mit dem Ticket schon gefahren?“ – „Ja, ich brauche es für den Weg zur Arbeit.“ – „Das dürfen Sie nicht. Sie sind mit einem ungültigen Ticket gefahren.“ – „Aber ich habe doch dafür bezahlt?“ – „Trotzdem.“

Die Lösung: Ich muss persönlich im KVB Kundencenter erscheinen, dort eine Kundenkarte befüllen und mit dieser zusammen ist das teure Ticket dann gültig. „Gibt es diesen Vordruck nicht digital, können Sie mir den nicht per E-Mail zusenden oder kann ich das nicht online ausfüllen?“ – „Nein. Wir müssen ja Ihre Preisstufe ermitteln.“ – „Aber die w e i ß ich doch schon! Ich habe das Monatsticket doch schon in der entsprechenden Preisstufe gekauft!“ – „Sie müssen ins Kundencenter.“

Mit einer ersten Beschwerde über das Service-Kontaktformular (online zu befüllen) konnte ich schon ein bisschen Stress abbauen. Nach Feierabend saß ich mehr als eine halbe Stunde lang im KVB Kundencenter in der Warteecke – und die Prozesse am einzigen besetzten Schalter ließen mich sehr an die Faultierszene aus dem gerade gesehenen Film „Zoomania“ denken. Ich gab auf und habe mich im nächsten, länger geöffneten KVB Kundencenter in die Schlange gestellt.

Die Kundenkarte ist ein Witz. Ein Witz aus Pappe. Vielleicht sollte ich für arme Mitmenschen, die künftig genauso ratlos wie ich am Automaten vor seiner Meldung stehen, ein paar Farbkopien von meiner Kundenkarte auslegen. Nach vollbrachter Aushändigung und Befüllung des Papierwitzes geriet ich auf dem Nachhauseweg in einen Polizei-Großeinsatz am Kölner Hauptbahnhof. Der öffentliche Nahverkehr ist einfach immer wieder herzerfrischend. Zum Glück kann ich ab Juni zu Fuß zur Arbeit. Und bis es soweit ist, wird es eine Menge Erzählstoff rund um den dafür erforderlichen Umzug von Bonn nach Köln geben.

It´s magic: Harmuths satanarchäolügenialkohöllische KVB-Kundenkarte.