Alte Bekannte

Es sei, wie eine alte Bekannte wiederzutreffen, von der man gar nicht gewusst habe, wie sehr man sie vermisst habe. War im Spiegel über Bridget Jones´ drittes Kinoabenteuer zu lesen. Das hat mich getriggert und ich saß sogar mit dem Mann an meiner Seite im Kino. Und war dann doch sehr enttäuscht über den Film. Es liegt bestimmt an ganz vielen verschiedenen Faktoren. Die anderen beiden Bridget-Jones-Filme sind schon zehn bis 15 Jahre her. Das war eine andere Zeit, gesamtgesellschaftlich, Nachmillenniumstheater, und persönlich, Mitt- bis Endzwanzigerin, grad ausm Studium raus, große neue Berufswelt, viele neue Städte und Freundschaften. Mit der Vier vornedran, die mir ja schwer zu schaffen macht, bin ich wohl weniger empfänglich für überdrehte Kreisch!-Komik. Und kaufe einer mittlerweile Endvierzigerin (Renée Zellwegger) die verpeilte Anfangdreißigerin nicht mehr ab. (Das gleiche Problem habe ich übrigens bei vielen Sketchen von Anke Engelke, in denen sie Frauen aus anderen Lebensphasen spielt.) Das Beste am Film waren die eingebauten Rückblenden, da konnte man nochmal kurz gedanklich in den alten Filmen und dazugehörigen Zeiten schwelgen (Stichwort: Elchpulli). Und so zwei, drei typische Jones-Katastrophenkracher rissen mich auch mit. Aber der Rest, ach nee, und dann auch noch das anachronistische Ende: Frau ist erst glücklich, wenn sie einen Kerl an der Seite, ein Baby auf dem Arm und noch dazu nen weißen Hochzeitsdress am Körper hat und vom Papa durch den Kirchengang geführt wird. Wäre Bridget wirklich eine alte Bekannte, würde ich jetzt zusehen, dass der Kontakt Richtung Sanktnimmerleinstag ausplätschert.

Das ist auch eine alte Bekannte. Das war exakt im Millenniumsjahr 2000, wenige Monate, bevor Bridget Jones auftauchte. Ist halt alles echt lang her! (Heute würde ich auch nicht mehr solche Weihnachtskarten verschicken.)