Haribu

Haribu, so lautet das kalifornische Kennzeichen von Thomas Gottschalks Wagen: eine Mischung aus Malibu und Haribo. Das habe ich bei der Lektüre von Benjamin von Stuckrad-Barres „Panikherz“ erfahren. (Vielleicht hat Gottschalk das Kennzeichen, nachdem sich „Panikherz“ so gut verkauft, zwischenzeitlich auch geändert. Vermutlich fahren dem Gottschalk mit seinem Haribu-Kennzeichen jetzt deutsche Urlauber in Autogrammlaune bis zu seiner abgelegenen Windmühle hinterher.) Die ausführliche Thomas-Gottschalk-Passage am Ende des Stuckrad-Barre-Buchs hat mich dafür belohnt, dass ich mich zuvor tapfer durch die exzentrisch-egomanen Einlassungen des Selbstdarstellers hindurchgearbeitet habe. Die Gottschalk-Episode war auch die einzige Stelle im Buch, an der ich mich amüsiert habe. Der Entertainer geht etwa mit dem bulimischen Benjamin essen, der aus kalorischen Gründen Quinoa mit Avocado bestellt. Gottschalk hat keine Ahnung, was das ist, bestellt aber „zur Sicherheit“ Käsemakkaroni dazu. Die er dann auch isst, nachdem er im lifestyligen Körnerfraß lustlos herumgestochert hat. Thomas Gottschalk finde ich schon immer sehr unterhaltsam, trotz seiner oft schmierigen Tatsch-, Grapsch- und Laberanwandlungen bei weiblichen Gästen von „Wetten, dass…“. Der unkaputtbare Jan Böhmermann, auch ein egozentrischer Selbstdarsteller in den Ausmaßen eines Stuckrad-Barre (offenbar ist diese Gattung in meiner Altersklasse häufig anzutreffen), hat ja gerade versucht, mit silbernen Glitzerslippern und pubertären Pseudo-Wetten (Baggerfahrer aus Geilenkirchen soll mit der Schaufel seine Frau zum Orgasmus bringen und schrottet dabei ein Auto! Höhö!) ein bisschen große Show und Thomas zu spielen. Es war sehr peinlich. Möge der Herr es bitte weiterhin bei „Schulz & Böhmermann“ bewenden lassen, wovon ich auch nur den auf 1970er Jahre gemachten Vorspann richtig cool finde. Jetzt kann man mir wirksam entgegnen, die schmierigen Tatsch-, Grapsch- und Laberanwandlungen des Originals seien auch nicht besser als das glipschige Rumgewette des größenwahnsinnigen Imitators. Stimmt. Das autobiografische Buch „Herbstblond“ des kalauernden Goldbärenfreunds habe ich trotzdem mit Hingabe gelesen und sehr viel dabei gelacht. Dabei ging ich dem Mann enorm auf die Nerven, der grundsätzlich seine rumgiggelnde Ehefrau, die mit Lachtränen und sich verschluckend versucht, besonders humorige Stellen aus Büchern vorzutragen, unerträglich findet. So auch bei Herbstblond. Hinzu kommt, dass wiederum dem Gatten vor dem Gottschalk graut und er überhaupt nicht nachvollziehen kann, was man als aufgeklärte Frau an dem alten Chauvi gut finden kann. Mit dem selbstverliebten, narzisstischen Benjamin hat der Mann sich noch nicht beschäftigt; es wäre interessant herauszufinden, ob er den im Umkehrschluss dann gut findet. Das Stuckrad-Barre-Buch habe ich übrigens nur deshalb nicht aus der Hand gelegt, weil ich aus verachtenswerten voyeuristischen Gründen den Verlauf der beschriebenen schweren Sucht extrem faszinierend fand. Wie jemand sein komplettes Dasein dem Kokain opfert und daran alles zerbricht, innen wie außen im Leben eines Menschen. Woran noch nicht mal Spezialärzte mit Spezialampullen, an die man beispielsweise über die fürsorgliche Freundschaft von Udo Lindenberg gelangt, etwas ändern können. Auf die Spezialampullen war ich beim Lesen recht neidisch, die können einem glaube ich auch als Nicht-Drogenabhängigem das Leben sehr viel leichter machen. Vielleicht kann man mit Hilfe dieser Ampullen dann auch alle Stuckrad-Barre-Bücher hintereinander weg lesen und sämtliche Böhmermann-Sendungen in einem Aufwasch gucken und sich dabei dann endlich einmal hervorragend unterhalten fühlen.

Gibt es in Kalifornien und damit sicher auch in Haribu: Flamingos.