Jüngst gab es eine ausgiebige Diskussion über die in Agenturen bezahlten Gehälter. Da ich jahrelang in Agenturen gearbeitet habe, in verschiedenen Agenturen in verschiedenen Städten mit verschiedenen Schwerpunkten, habe ich den Austausch darüber, ob das Geld, das am Monatsende auf dem Konto landet (und zwar wirklich exakt am Monatsende), nun angemessen ist oder nicht, mit Interesse verfolgt. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich schon einmal sagen, dass das Gehalt, das in einem Konzern bezahlt wird, angemessener ist. Los ging die Debatte mit einer Studie der Agenturvereinigung AIKA (Allianz inhabergeführter Kommunikationsagenturen). Demnach verdienen Agenturangestellte (exklusive Praktikanten, Auszubildende und Volontäre) mit durchschnittlich 33.600 Euro brutto pro Jahr (2.800 Euro brutto pro Monat) weniger als Berufseinsteiger – für die der Stepstone Gehaltsreport ein durchschnittliches Bruttojahresgehalt von 42.000 Euro ermittelt hatte. Gleich ging das Geschrei los, die von AIKA auf Basis von 235 Beschäftigungsverhältnissen ermittelte Gehaltslage sei nicht repräsentativ. Das rief den größeren Agenturverband GWA auf den Plan, der viel mehr Mitglieder und deshalb auch viel mehr Zahlen hat. Und vor allem viel größere Mitglieder und viel größere Zahlen! Größe ist ja im männderdominierten Business – das ist in Kommunikationsagenturen auch nicht anders als anderswo, nach oben hin wird die Frauendichte immer poröser – immens wichtig. Erstaunlicherweise warf nun der GWA das geradezu schwindelerregend hohe Salär von monatlich 4.635,26 Euro brutto in den Ring. Boah. Wie kommen die darauf? Ganz einfach: Bei den rund 4.850 ausgewerteten Jobprofilen sind alle Karrierelevel enthalten, vom Trainee bis zum Geschäftsführer. Ich gehe nun eher davon aus, dass die sehr hohen Gehälter des Agentur-Führungspersonals den Schnitt verzerren. Wäre das durchschnittliche Agenturgehalt wirklich so komfortabel, hätten nicht so viele Agenturmitarbeiter den Wunsch, auf Unternehmensseite zu wechseln. Und die Menschen fühlten sich gemessen an ihren Arbeitszeiten nicht so ausgebeutet. Diesbezüglich wird mir ein Satz stets in Erinnerung bleiben, den ich bei einer meiner Agenturstationen zum Thema Gehaltserhöhung gehört habe:
„Wir bezahlen dich schließlich auch mit unserem Namen!“
Ich fürchte, diese Haltung ist immer noch weit verbreitet und damit eher die AIKA-Zahl zutreffend. Doof nur, dass man mit Namen weder Miete noch Lebensmittel bezahlen kann, und dass diese Namen außerhalb der sehr kleinen Kommunikationswelt Schall und Rauch sind. Auch der Stepstone-Gehaltsreport listet Agenturen mit einem dort ermittelten durchschnittlichen Bruttojahresgehalt von 40.680 Euro unter den „Flop-Branchen“. Abschließend sei ein süffig-lässig dahingeschriebener Kommentar von Jasper Keßler, einem Nachwuchs-Kreativen, zum Gehaltsthema empfohlen:
„Zurück zur schlechten Bezahlung: Glaubt irgendwer ernsthaft, dass heute noch wer in die Werbung geht, weil er schnelles Geld verdienen will? Ich meine – wir kennen sie zwar noch, die alten Werberboliden mit Egos, so schwer wie ihre S-Klassen, aber wir wissen auch: das wird hier so schnell nichts mehr.“
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.