Wände (und Berge) versetzen

Montagmorgen. Ich warte auf den Aufmaßnehmer vom Möbelhaus, der überprüfen soll, ob die gekaufte Küche in die dafür vorgesehene Wohnungsecke passt. Fünf Minuten, zehn Minuten. Ein weißer Lieferwagen, der typische Handwerkerkastenwagen, fährt vor. Drei Handwerker springen heraus. „Guten Morgen, Sie kommen zu dritt? Für die Küche?“ – „Was, Küche! Trockenbau!“ – „Auch gut.“ In die offene Küche soll eine halbe Wand wieder hinein, die da schon mal gestanden hatte. Die drei Trockenbauer behandeln mich fürderhin wie eine Leiter oder einen Zollstock, ich lehne als Gegenstand herum, von dem man nicht weiter Notiz nehmen muss. Der Küchenmann ist immernoch nicht da. Die drei Trockenbauer unterhalten sich gestikulierend, schleppen Material und Werkzeug heran, ich verstehe nicht viel von dem, was sie sagen, finde aber, sie unterhalten sich am falschen Ende der möglichen Wand. „Entschuldigung, wo wollen Sie die Wand denn hinsetzen?“ – „Na hier! Letzte Woche nochmal den Hausmeister gefragt!“ – „Das ist die falsche Seite. Die Wand soll dort drüben hin.“ Dreifaches trockenbauerisches Innehalten. – „Nääääääääääää!“ (das rheinisch-kölnisch intonierte, aus dem Rachen gezogene „Nääääääääääää!“) – „Doch. Ich ziehe hier ein. Ich weiß, wohin ich die Wand haben will. Nach dort. Sie können mir doch hier die Terrassenseite nicht mit einer Wand zubauen!“ – „Ja, dat fanden wir auch komisch! Aber die Leute bestellen schon mal komische Sachen, dat macht man dann halt!“ Gerümpel, Geschiebe, Gestikulieren auf der dann richtigen Seite des Zimmers. Auftritt Küchenaufmaßnehmer. Fazit: Selbstverständlich passt die Küche nicht, obwohl wir den Grundriss der Wohnung beim Küchenplaner dabei hatten. Und wäre ich nicht zufällig in der Wohnung gewesen, als die Trockenbau-Jungs eintrudelten, hätten wir jetzt erstmal eine Wand wieder herausreißen und neu setzen lassen müssen.

Auch eine ungewöhnliche Stelle für eine Wand. Aber hier handelt es sich um Kunst.