„Snowden hat Interesse bekundet“, schreibt mein Bruder. Wochen und Monate war er in die von uns so betitelte „Edinger Grünschnitt-Affäre“ verwickelt. Ein sprichwörtliches Dickicht aus Grundstücksgrenzen, ungeschnittenem Gartengestrüpp und einem Weg, der zwischen dem Garten meines Bruders und dem dahinterliegenden Ackergebiet entlangführt. Vor Monaten flatterte ein Brief bei meinem Bruder ins Haus, ausgestellt von der Gemeinde Edingen-Neckarhausen, in dem er mit großer Verwunderung davon las, dass er bußgeldbehaftet seinen Grünschnitt nicht ordnungsgemäß erledigt habe. Überhänge auf den Weg, Geäst, überhaupt ungepflegter Zustand, der der gepflegten Gemeinde nicht zu Gesicht stehe (hier gibt es Parallelen zur Grabsteinpflege – Edingen-Neckarhausen und Zwingenberg liegen nicht weit auseinander; im Großraum Mannheim scheint die Verwaltung sehr viel Wert auf Grünanlagen aller Art zu legen). Nun steht bei meinem Bruder einfach ein Zaun. Rasen, Zaun, weit und breit kein Geäst und Grünzeug, das irgendwohin überhängen könnte. Bei seinen Nachbarn allerdings ist genau das der Fall, was die Gemeinde in ihrem Brief schreibt. Mein Bruder telefoniert, schreibt E-Mails, Briefe, bis hin zum Bürgermeister, weil die Antworten vom Amt immer darauf hinauslaufen, dass bei der der Feststellung zugrundeliegenden Begehung selbstverständlich das richtige Grundstück in Augenschein genommen worden sei – als ob eine Verwaltung Fehler machen würde! Das hat ja schon Kafka festgestellt:
„Es ist ein Arbeitsgrundsatz der Behörde, dass mit Fehlermöglichkeiten überhaupt nicht gerechnet wird. Dieser Grundsatz ist berechtigt durch die vorzügliche Organisation des Ganzen, und er ist notwendig, wenn äußerste Schnelligkeit der Erledigung erreicht werden soll.“
Franz Kafka: „Das Schloss“
Mein Bruder schafft es endlich, einen zweiten – diesmal gemeinsamen – Begehungstermin zu vereinbaren. Zeigt seinen Zaun vor, weist auf das Gestrüpp der Nachbarn. Fall erledigt. Der Bescheid wird aufgehoben.
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| Doppelte flüssige Entschädigung: Freikarten fürs Freibad und eine Flasche Prickelndes dafür, dass mein Bruder einfach nur einen Zaun am Garten stehen hat. |
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.
