In einem sehr emotionalen Versicherungswerbespot der 1980er Jahre wurde klangvoll von „voll und ganz gesichert“ gesungen, davon, „vom ersten Augenblick ein festes Bündnis mit dem Glück“ zu schließen. Als Kind hat mir die Melodie des Werbespots gefallen, vielleicht weiß ich heute deshalb den Text noch. Später in meinem Leben war dann jedes Mal, wenn ich mit Versicherungen zu tun hatte, von Glück nicht viel zu spüren. Das gilt ganz besonders für meine Zeit als Angestellte eines Versicherungskonzerns. Aber davon soll heute nicht die Rede sein. Ich trauere immer noch mehreren tausend Euro hinterher, die mir durch die Übertragung einer betrieblichen Altersversorgungs-Rentenversicherung von einem arbeitgebergebundenen Versicherer auf den des neuen Arbeitgebers flötengegangen sind. Weder die alte noch die neue Versicherung, weder der alte noch der neue Arbeitgeber (aber die wissen sowas im Zweifel ja selber nicht) haben mich darauf hingewiesen. Als ich nach ein paar Monaten beim damals neuen Arbeitgeber einen Kontoauszug des Altersversorgungsvertrags erhielt, hat mich fast der Schlag getroffen. Und es war nichts zu machen, die Kohle war einfach weg. Ist dem alten Versicherer und dessen Agenten zugeflossen, fertig. Vor ein paar Tagen trudelte die Jahresabrechnung für die Versicherungen ein, die ich noch für notwendig halte. Das sind, seit ich beim Versicherungskonzern angestellt war, nur noch sehr wenige. Beim großen Kahlschlag blieben nur Haftpflicht, Hausrat und Rechtsschutz übrig. Die Rechnung fiel dieses Jahr atemberaubend aus, ich musste mich erstmal hinsetzen. Und dem Versicherer schreiben. Was denn jetzt los sei. Ich werde in den Folgetagen angerufen. „Frau Haaaaaarmuuuuud, ja, des isch so, also, ich seh des, Ihre Hausrat isch eggs-blo-diiiert! Des liegt daran, dass Sie nach Köööllln gezogen sind! Des isch halt die Einbruchshochburg, gell!“ Ich werde auf Schwäbisch über mein Sonderkündigungsrecht belehrt, auf die Möglichkeit hingewiesen, mir vor Ort einen günstigeren Versicherer zu suchen (offensichtlich bewertet man die Einbruchsgefahr im gefährlichen Köln vom beschaulichen Stuttgart aus, wo der Versicherer seinen Sitz hat, höher als in der „Einbruchshochburg“ selbst). Die Versicherung weiß auch nicht, dass in dem Haus, in das ich gezogen bin, die Türen so dermaßen sicher sind, dass selbst der Schlüsseldienst beeindruckt ist. Ich habe aber überhaupt keine Lust, mir einen neuen Versicherer zu suchen und erst wieder schadenfreie Vergünstigungsjahre anzusammeln und das ganze Gebrassel mit schrecklichen Dokumenten und noch schrecklicheren Formulierungen, die einen Vergleich der Leistungen unmöglich machen, zu durchleiden. Nach viel Hin und Her am Telefon („Des muss i jetzt amol in Ruhe nachgugga, Frau Haaarmuuud, i leg Sie grad amol an d´Saite!“) finden sich Mittel und Wege, den Beitrag doch zu senken. „Da bekommed Sie jetzt erscht amol sehr viel Poscht!“ Ich freu mich schon. Aber für mehr als hundert Euro Ersparnis im Jahr kann man den Papierkrieg schon mal über sich ergehen lassen. Kaum ist das erledigt, trudelt eine Selbstbeteiligungs-Rechnung für die Rechtsschutzversicherung ein. Die dürfte es wegen der fünf schadenfreien Beitragsjahre gar nicht geben. Das Versicherungsgeschäft ist ein halsabschneiderisches. Und es wird nicht lange dauern, bis es wieder durch mein Handy schallt: „Grüß Gott, Frau Haaaarmuuuud, Sie häbbed uns wegga Ihrer Rechtsschutz gschrieba! Also, des isch so: …“.
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| Diese grundsätzlich skeptische Haltung sollte man bei jeglichen Zahlungsforderungen von Versicherungsunternehmen an den Tag legen. |
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.
