Es fing an vor ein paar Jahren in Oberstdorf. In unserem Badezimmer im frisch renovierten, familiengeführten Hotel lesen wir eine Info darüber, dass hier im Hause nur gutes, gesundes Grander Wasser aus dem Hahn käme. Und wie wahnsinnig wohltuend das für den Organismus, die Gesundheit und eigentlich alles sei. Wahrscheinlich sogar für das Wasser selbst.
Oberstdorf scheint gewissermaßen durchseucht zu sein von dieser Grander Wasser-Geschichte, denn auch bei einem späteren Aufenthalt in einem anderen Hotel wird in blumigen Worten auf die belebende Wirkung des nach Grander belebten Wassers hingewiesen. Nun hat das mit allen Wassern gewaschene Wasser den Sprung von Bayern in die Eifel geschafft. In dem sehr abgelegenen, deshalb sehr ruhigen und beim Kurztrip sehr gemochten Hotel hinter den sieben Bergen bei den sieben Ahrzwergen steht in der Saunalandschaft Wasser bereit. Eine Karaffe Wasser mit Orangenscheiben drin. Gute Idee, kann man zu Hause auch mal machen. Eine Karaffe weiter Wasser mit Steinen drin. Hm. Werde ich zu Hause nicht machen. Sind das Steine aus dem Baumarkt? Die Gedanken schweifen ab. „Haben Sie Steine?“ – „Zur Pflasterung Ihrer Einfahrt?“ – „Äh, nein, um das Wasser in der Karaffe energetisch aufzuladen.“
Am Waschbecken neben dem Karaffen-Duo steht ein großes Hinweisschild, dass man hier und überall sonst im Hause Grander Wasser verwende und dass dieses wahnsinnig wohltuend, belebend, das Übliche. Wo kommt der denn eigentlich her, der Herr Grander? In die Eifel muss man es erstmal schaffen mit einem Produkt! Die Homepage klärt auf: Vor 30 Jahren hat der Tiroler Johann Grander die Wasserbelebung entdeckt. Heute verkauft man international erfolgreich Geräte, die Grander Wasserbeleber heißen. „Die GRANDER Wasserbelebung arbeitet nach dem Prinzip der kontaktlosen Informationsübertragung. Beim Durchfließen der Geräte wird das Leitungswasser belebt und bildet so die Basis für die unterschiedlichsten Anwendungsgebiete.“ Sooo! Weiter: „Wasser hat von Natur aus ganz besondere Eigenschaften, die es aber nur dann entwickeln und entfalten kann, solange es naturbelassen und von belastenden Umwelteinflüssen verschont bleibt. Fast unmöglich für unser Leitungswasser. Zwar sprudelt es frisch und wertvoll aus der Quelle, doch lange Transportwege, Druck in Leitungen, Handy-, Funk- und Radiowellen wirken negativ auf das Wasser ein – es verliert seine Lebendigkeit und erschlafft.“
Das arme Wasser. Dem geht es ja wie mir! Auf mich wirkt auch Druck ein, ebenfalls Handy-, Funk- und Radiowellen und ich denke auch sehr, sehr oft, dass ich meine Lebendigkeit verliere und erschlaffe. Das kann jetzt natürlich auch daran liegen, dass wir hier keinen Grander Wasserbeleber im Keller hängen haben. Ob man mit belebtem Wasser gewaschene Wäsche vielleicht nicht mehr bügeln muss? Davon steht leider nichts auf der Grander-Internetseite. Aber darüber, dass belebtes Heizungswasser die Heizanlage schützt und dass es auch Gartenteiche mit Grander Wasser gibt. Ich warte auf die erste Speisekarte mit dem Gericht „Glückliche Grander Wasser Forelle blau“. Wird vielleicht zuerst in Oberstdorf angeboten. Zeit, mal wieder dorthin zu fahren.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.