Freunde des gepflegten Radsports

„Sag mal, machst du eigentlich noch dieses Spinning?“, fragt die Kollegin am Mittagstisch. „Das wummert immer so in dem Raum im Fitnessstudio, sieht krass aus und die Leute tropfen. Wär nix für mich.“ Eine andere Kollegin fragt, „Fährst du nicht auch immer zu so Events? Wo man dann stundenlang in einer dunklen Halle bei Krach auf der Stelle radelt?“ Beides ist zu bejahen. Und, verrückt, es macht einen Riesenspaß. Vielleicht muss man auch selbst ein bisschen verrückt sein, um sowohl am Fitnessspinning als auch an diesen Events so einen Höllenspaß zu haben, aber das ist bei der Frau Harmuth ja kein Problem! Ich bin sehr froh, diesen Sport für mich entdeckt zu haben. Eine späte Genugtuung für all die Schmach, Pein und Schande des Schulsports, der mir den Spaß an Bewegung lange Jahre verleidet hat und sämtliche Jahresschnitte, das Abitur eingeschlossen, versaut hat mit der konstanten Fünf. Nun sitze und stehe ich also mehrmals die Woche tropfend auf dem Fitnessrad und noch dazu manchmal am Wochenende in Mehrzweckhallen, auf Fitnessmessen, auf Dächern von Fitnessstudios, vor Eingängen von Fitnessstudios, einfach in Räumen von Fitnessstudios, je nachdem, wo die Events dann so stattfinden. Verpasst habe ich leider die legendären Xpect-Spinningevents auf der Mondorfer Fähre in der Nähe von Bonn – schön auf dem Rhein zuckeln, während man sich die letzten Kraftreserven abstrampelt und die Umwelt mit Wummerbeats beglückt, das hätte mir auch Riesenspaß gemacht.

Da die Xpect-Jungs nach wie vor Events auf dem Festland organisieren, gibt es auf der Website auch Bildchen von der angestrengt kämpfenden „Melanderpedal“ Harmuth:

Natürlich trifft man bei den Kursen und auch bei den Events immer wieder auf dieselben Leute, und ich finde, diese Spinning-Community ist eine sehr entspannte. Vielleicht liegt der schnell sehr private Umgang miteinander einfach daran, dass es einem nicht peinlich sein und an anderen nicht stören darf, wenn Schweißtropfen bei einem selbst ins über den Lenker gespannte Handtuch sickern und bei den Männern unter dem Rad einen kleinen Teich bilden. Das ist schon recht intim, irgendwie.
Gewöhnen muss man sich natürlich auch an ein paar Dinge. An die laute Musik (manchmal trage ich Disco-Ohrstöpsel, ist natürlich sehr uncool). An sehr schräge Äußerungen von den Instructors („Freunde des gepflegten Radsports: mehr Widerstand!!! MEHR WIDERSTAND!!!“), die man ohne Weiteres auch einfach Drill-Instructors nennen könnte. An Plakate im Fitnessraum, auf denen steht: Quäl dich. An einen Körper, der schwitzen kann, wie man es nicht für möglich gehalten hätte. Aber man schließt auch neue Freundschaften mit sehr lockeren und lieben Menschen wie der Iris zum Beispiel:

Das war beim „Pink Cycling“ 2015, das gibt es auch. Eine Mehrzweckhalle voller verrückter Frauen, die sich sechs (okay, bei uns waren´s fünf) Stunden lang anbrüllen lassen, durchkämpfen und am Ende völlig erschöpft, aber glücklich und strahlend von dannen ziehen. Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt: „Ich seh ALLES! Du brauchst mehr WIDERSTAND! Noch vier, drei, zwei, eins…“