Fast wäre ich darauf hereingefallen: Beim REWE rannte ich direkt hinter der Eingangstür in eine Sonderfläche hinein. „Tafel“-Tüten waren darauf hergerichtet, fünf Euro das Stück. Titel der Aktion: „Gemeinsam Teller füllen!“, reichlich plakatiert mit „Soziale Verantwortung bei REWE“ und „Wir helfen vor Ort“. Kunden sollen also für fünf Euro eine Lebensmittel-Tüte kaufen und diese geht an die örtliche Tafel. Das ist auf den ersten Blick sozial, auf den zweiten Blick perfide. Die Idee der Tafel ist es, dass Supermärkte Lebensmittel, die einwandfrei genießbar sind, aber aus verschiedenen Gründen entsorgt werden müssten, nicht entsorgen, sondern spenden. Diese Lebensmittel fallen sonst einfach aus der Verwertungskette und werden durch Zuführung an die örtliche Tafel verwendet. Eine gute Sache. Dass nun aber der Endverbraucher die Bilanz von REWE sozial unterstützt, indem er eine Tüte Lebensmittel für fünf Euro für die örtliche Tafel kauft, ist ein Witz. In einer Anzeige, die REWE ganzseitig in einem Frauenblättchen zum Thema schaltet, wird erklärt: „Dabei stehen Lebensmittel im Fokus, die aufgrund ihrer langen Haltbarkeit eher selten gespendet werden, wie zum Beispiel Ravioli, Milchreis, Erdbeerkonfitüre oder Tee.“ Die REWEs folgen auch hier konsequent ihrer sehr verdrehten Logik. Denn das, was sich Menschen, die sich über die Tafel versorgen, in der Regel nicht leisten können, sind frische Lebensmittel. Und an genau die kommen sie über die Tafel. Eine Dose Ravioli ist glaube ich weder budgetär noch ernährungstechnisch jetzt genau das Lebensmittel, das fehlt, wenn man wenig Geld hat. REWE kurbelt mit der Aktion schlichtweg zum eigenen Nutzen in der Vorweihnachtszeit gehörig den Umsatz an. Es ist davon auszugehen, dass in die fünf Euro Verkaufspreis für die Tafel-Tüte eine Gewinnspanne einkalkuliert ist, denn befüllt ist sie mit Produkten der eigenen Handelsmarke „ja!“. Zudem werden die fünf Euro je Tüte nicht gespendet – DAS wäre dann die soziale Verantwortung bei dieser Aktion! Dass in der Anzeige darauf hingewiesen wird, dass REWE selbst nochmal 40.000 Tüten nachlegt, rechnet das gewiss nicht auf – zumal REWE dann ja hier, das möchte ich jetzt mal unterstellen, die Möglichkeit hätte, nicht mehr verkäufliche Lebensmittel unterzubringen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber um die Teller-Tüten werde ich weiterhin einen Bogen machen. Und mein Geld lieber direkt an eine soziale Organisation spenden.
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| Endlich mal wieder Ravioli! REWE und die vermeintlich soziale „Tafel“-Aktion. |
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.
