„Bei Frauen und Zirren kannst du irren.“ Um diese Lebensweisheit bin ich reicher, seit ich einen Wetterkurs beim Deutschen Alpenverein besucht habe.
Der Mann und ich sind Mitglied, weil wir ab und an auf Hütten zu Gast sind und weil der Alpenverein einfach alles Mögliche in den Alpen ehrenamtlich in Schuss hält, wovon wir als Wandertouristen profitieren. Ein Wetterkurs also, weil wir im Gebirge schon ein-, zweimal richtig blöde Situationen hatten, die wir vielleicht nicht gehabt hätten, wenn wir was mit Wolkenformationen, Windrichtung etc. hätten anfangen können. Ich verspreche mir vom Kurs, der auf drei Stunden am Freitagabend angelegt ist, beim nächsten Bergerlebnis dann ein bisschen besser mit tiefliegendem, sinkendem oder steigendem Nebel umgehen zu können. Als Flachlandtiroler guckt man morgens aus dem Hotelfenster und weiß halt nicht, ob die weiße Wand nun Regen bringt oder sich verzieht. Leider weiß ich das nun auch nach Besuchen des Wetterkurses
nicht.
Der Referent, ein sehr motivierter und detailverliebter älterer Meteorologe, hat nämlich erstmal anderthalb Stunden lang Bilder, Schautafeln, Grafiken gezeigt, die mich extrem an den längst verblichenen Erdkundeunterricht erinnert und deshalb 25 Jahre in meinem Leben zurückversetzt haben. Plötzlich saß ich wieder im abgedunkelten Erdkundezimmer bei Herrn Dr. Mann, hinter mir das einschläfernde Surren des Tageslichtprojektors, vor mir irgendwelche Isobaren-Schautafeln, die unter Zuhilfenahme komplizierter Fremdwörter vermeintlich erklärt wurden. Genau so war es jetzt auch. Hochdruckgebiet, Tiefdruckgebiet, Erdrotation, Strömungsverhalten, Jetstream, untere Erdhalbkugel andersrum, zwischendurch Meteorologenwitze, die leider niemand in der Runde verstanden hat – außer einer einzigen Person vielleicht, eine Frau, die auch Meteorologin oder
Geologin zu sein schien und alle anderen mit spezifischen Nachfragen zu bestimmten Tiefdrucklinien ins Aus beförderte.
Als wir dann nach zwei Stunden bei den Wolken angekommen waren und dem Wetter in den Alpen, fiel eben der Kennerspruch: „Bei Frauen und Zirren kannst du irren.“ Den kann
ich jetzt immerhin erklären, weil die Cirruswolken, Eiswolken in der obersten Schicht, auch von Flugzeugkondensationsstreifen oder sonstwas verursacht sein können und nicht unbedingt ein
Wetterindiz sein müssen. Ansonsten habe ich noch gelernt, dass es in den Westalpen eine besondere Windform gibt, die Bise. „Du liebe Zeit, ich krieg die Krise, ich steck schon wieder in einer Bise!“, hab ich mir dabei gedacht. Erlebt habe ich das noch nicht. Muss auch nicht unbedingt sein. Mir reichen die Orientierungslosigkeit im Nebel auf einem Zweitausender mit Gratgipfelweg, stundenlange Regengüsse, in denen sich der Wanderweg in einen Bach verwandelt, mit und in diesem man dann den Abstieg machen muss, weil es einfach nur diesen einen Weg gibt, den auch das Wasser nimmt – und das werde ich trotz Wetterkurs wohl auch weiterhin so erleben müssen. Vielleicht kann ich mich künftig mit meteorologischen Reimen, die ich mir dann ausdenke, bei Laune halten: „Wenn der Jetstream richtig pustet, die Harmuth in den Alpen hustet.“
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.
