„Zeit für neue Leitbegriffe in Ihrem beruflichen Vokabular?“, fragt mich die Stellenanzeige. Ich weiß nicht. Ich glaube nicht. Darin fühle ich mich bestätigt, als ich weiterlese. Die Anzeige kommt ins Businessschwätzen: „Mit einem Plus an Leidenschaft, einem Vorsprung an Kompetenz und mit absoluter Kundenorientierung schaffen wir Lösungen, mit denen unsere Kunden ihr Wachstum gestalten, ihre Effizienz erhöhen und ihre Wettbewerbsvorteile global zur Entfaltung bringen.“ Hm. Was ist das denn für eine Firma? Das ist alles so allgemeinfloskeligbusinessunverbindlichdeutsch, das kann wirklich alles sein. Hansemann und Söhne. Hans, Franz & Co. Natürlich irgendwas mit IT, das ist ja auch sehr dynamisch, fortschrittlich, first mover-mäßig und alles. „Mit Ihren Textbeiträgen erhöhen Sie Schlagzahl und Wirkung unserer Aktivitäten, sorgen für die crossmediale Verbreitung über zeitgemäße Distributionskanäle und entwickeln uns in den Bereichen Kundenmarketing, Personalmarketing und Pressearbeit tatkräftig und nachhaltig weiter.“ Ach, nein danke. Möchte ich nicht. Wenn schon die Stellenanzeige so aufgeblasen ist, vollgesogen von Schwammwörtern, geradezu triefend davon, kann man da auch nur Erfolg haben, wenn man selbst in diesem schrecklichen neumodischen Business-Sprech zu Hause ist und den furchtbar ernst nimmt. Vor einiger Zeit habe ich ja schon vom Businessdeutsch-Lexikon „Ich bin da ganz bei Ihnen“ berichtet. Gerade lese ich das. Geht nur in kleinen Dosen, weil diese Floskeln, die einem mittlerweile rund um die Uhr begegnen und Bestandteil jeder Konversation innerhalb eines Bürogebäudes oder lautstark geführter Angebertelefonate an öffentlichen Orten sind, voller Ver- und Missachtung stecken, aber immer in Euphemismen eingekleistert sind. Alphabetisch aufgereiht klärt der Autor Hermann Ehmann über Herkunft, die verrutschte Businesseinmanschung und die wirkliche Bedeutung von Wörtern auf, „ankommen“ etwa: „etwas gedanklich nachvollziehen“. „Beispiel: Könnten Sie das noch mal kurz rekapitulieren, ich bin noch nicht ganz angekommen. Bedeutet: a) Entschuldigung, ich habe Ihnen gerade nicht zugehört; b) So wie Sie das vortragen, versteht das kein Mensch!“ Oder „challengen“: „im Modern Business: 1. herausfordern, 2. prüfen (…) denglische Stressfloskel (…) Beispiel: Uns geht es darum, dass sich unsere Mitarbeiter in Bezug auf Innovations- und Kommunikationsfähigkeiten kritisch-konstruktiv challengen. Bedeutet: Die sollen sich schön gegenseitig zerfleischen. Wir schauen dann, wer am Ende übrig bleibt.“ Bei seinen über drei Jahre zusammengetragenen Beispielen zitiert der Autor übrigens erschreckend häufig Stellenanzeigen und Karriereseiten. Tja, die neuen Leitbegriffe.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.