Der Kölner Grüngürtelwanderweg ist 64 Kilometer lang. Das Meiste davon haben der Mann und ich in zwei Touren schon geschafft – einmal von der Wohnung im Kölner Süden linksrum (für Männer: westwärts), einmal von der Wohnung rechtsrum (ostwärts). Auf der Ostschiene haben wir uns 20 Kilometer lang gewundert, warum der Grüngürtelwanderweg dort nicht Autobahnzubringerwanderweg oder Ausfallstraßenwanderweg heißt – das sind die dominierenden Landschaftserlebnisse – und konnten einmal mehr die Grundsätzlichkeit deutscher Vorsätze und Vorhaben bestaunen. Auf Höhe Poll tauchte ein Stopp-Schild vor uns auf. Behangen, beklebt und beklammert mit Info- und Nachrichtenzetteln. Auf dem Boden vor dem Schild eine bunte Ansammlung von Tierfutterschüsseln. Auf einem der in Hüllen gesteckten Zettel erfahren wir, eine Truppe von Anwohnern kümmere sich hier um ein Katzenrudel mit elf Mitgliedern. Alle kastriert, damit es bei elf Tieren bleibe. In einer weiteren Plastikhülle steckt ein Fütter-Wochenplan. Sieben Menschen haben sich darin eingetragen, um die Tiere täglich zu versorgen. Ich bin begeistert und sofort fallen mir die armen, ausgehungerten, sich rasend vermehrenden Straßenkatzen Spaniens ein. Konnten wir zuletzt im mallorquinischen Bergort Banyalbufar hundertfach bemitleiden. Ich lese mich weiter durch die Zettel. Und wundere mich, dass nicht so langsam Katzen auftauchen. Sollte man doch erwarten, wenn sich Zweibeiner an der Futterstation rumtreiben, dass das die hungrigen Vierbeiner anlockt? Nach einer Weile kommt eine völlig verfettete Katze angeschlichen. Eine weitere lugt aus dem Gestrüpp, noch fetter. Wahrscheinlich kann die sich, wie die weiteren neun vermutlich auch, gar nicht mehr bis zu den Futternäpfen bewegen. Passenderweise lese ich abschließend eine Notiz einer „Dosenöffnerin“ von Oktober 2016, dass sie ihren Sonntags-Fütterdienst einstelle, weil sich schon immer Futter in den Näpfen befunden habe und ihr eine Überfütterung nicht sinnvoll erscheine. Vielleicht haben die Katzenfreunde auch einfach zu oft Simon´s Cat geschaut und diese Katzenform zum Ideal erhoben – dann hätten sie jedenfalls ihr Ziel erreicht!
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.
