Seit Umzug in die neue Wohnung gibt es ein Putzproblem. Der Eigentümer ist eine Berufsgenossenschaft, also Unfallversicherer, da kommt es nicht so gut, wenn Putzleute schwarz beschäftigt beim Mieter von der Leiter fallen. Darüber habe ich mir selbstverständlich überhaupt keine Gedanken gemacht und wurde bei Einzug explizit darauf hingewiesen. „Also, Frau Harmuth, ich weiß ja nicht, wie Sie das bisher gemacht haben, aber schwarz können Sie hier vergessen!“ Nach dem Umzug war immer so viel Programm und Zeug, dass wir jetzt mangels Beschaffung einer angemeldeten Putzkraft unsere Wochenenden wieder mit dem Putzlappen zugebracht haben. Das bringt es echt nicht. Also haben wir einen Helpling gebucht! Dieser Putzkräftevermittlungsservice täuscht mit seinen Homepage-Videos schon mal darüber hinweg, dass nur indische und pakistanische Putzteufelchen vorgeschlagen werden, zumindest klingen die Namen indisch und pakistanisch und man weiß noch nicht einmal, ob es sich um einen Mann oder eine Frau dabei handelt. Nun, Abdilash war ein Mann, wie sich herausstellte. Ein Inder. Der Mann hat einen halben Tag Urlaub genommen, um Abdilash (der selbstverständlich kein Deutsch spricht, wir haben also die von der Frau vorbereitete Putz-How-to-Liste vorbereitend ins Englische übersetzt. Was man so alles macht! Putzhinweise ins Englische übersetzen!) alles zu zeigen und zu erklären. Abdilash kam zu spät. Dann musste der Mann los, halben Tag arbeiten. Und wir vermuten, dass Abdilash einfach kurz nachdem der Mann die Tür hinter sich zugezogen hatte, ebenfalls die Wohnung verlassen hat. Es ist staubig wie zuvor, an manchen Stellen sogar staubiger, weil Abdilash offensichtlich die deutsche Putzlandschaft nicht kennt und mit dem angefeuchteten Swiffer-Tuch Staub und Haarflusen großflächig verteilt hat. Waschbecken, Toilette, alles, worauf es eben so ankommt beim Putzen, sehen aus wie zuvor. Oder noch ein bisschen schlimmer. Immerhin, unsere Couchkissen waren umdekoriert, warum auch immer, und mitten in der neuen Couch-Kissenlandschaft hockte der seit Jahren an der Terrassentür als Türstopper positionierte Plüschesel. Mmmmmhhhhhh! Und diese wundervolle interkulturelle, Reinigungshorizonte erweiternde Erfahrung soll uns jetzt auch noch 50 Euro kosten. Außerdem hat Abdilash seine Uhr an der Spüle liegenlassen. Warum die da liegt, ist uns ein Rätsel. Denn die Spüle hat er nicht geputzt.
Update: Die Abdilash-Abgründe sind nur der Anfang einer nicht enden wollenden Suche nach einer Hilfe im Haushalt. Eine Anfrage bei „Happymaids“ führte, aufgrund des aufgerufenen Preises, fast zu Herzstillstand. Mit „Book a Tiger“ habe ich es ebenfalls versucht. Sogar erfolgreich einen Termin gebucht. Zwei Tage vorher hat Book a Tiger den Termin storniert. Meine Suchanzeigen in der Minijobbörse und bei kalaydo dümpeln vor sich hin. Das Putzen in Deutschland ist eine schwierige Angelegenheit, wenn es legal und angemeldet funktionieren soll. Thomas Öchsner hat dazu in einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung festgestellt: „Schon der Bundesfinanzminister Hans Eichel, der bis 2005 im Amt war, wollte den Wildwuchs in der Putzbranche bekämpfen. Außer inzwischen fast 300.000 legal angemeldeten Haushaltshilfen sprang dabei aber nicht viel heraus. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die dienstbaren Geister, meist Frauen, haben mehrere Jobs und wollen deshalb keinen legalen Minijob. Sie fürchten Abzüge und Papierkram. (…) Dies zu ändern ist schwierig. Aber es geht, wenn man das Verfahren einfacher macht: In Frankreich können private Arbeitgeber Gutscheine für Putzfrauen am Kiosk kaufen, die der Arbeitnehmer bei Behörden einlösen kann. Dort arbeiten viel mehr Haushaltshilfen legal.“
Noch besser gefällt mir natürlich der Vorschlag des Schwarzmarktexperten Friedrich Schneider, der in der „Welt“ zitiert wird: „Der Staat sollte sich hier großzügig zeigen und Schwarzarbeit im Haushaltssektor tolerieren“. (…) Der Wohlstandseffekt überwiege im Vergleich zum Steuerausfall. Gerade Frauen könnten durch Haushaltshilfen mehr arbeiten, was dem Staat in Form von Abgaben nutze.“
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken sowie Wander- und sonstigen Aktivitäten in diesem Blog.
