Der Mann und ich gehen sehr oft zum Thai an der Ecke um die Ecke. Wir gehören dort schon fast zum Inventar. Neulich wurden wir Zeugen eines Polizeieinsatzes auf der anderen Seite des Fensters, an dem wir saßen – ein sprichwörtlicher Blick über den Tellerrand vom fernöstlichen Essen auf deutsche Drogenkriminalität.
Pünktlich zur Öffnungszeit 18 Uhr latschen der Mann und ich am Wochenende herbei zum Thai und treffen vor dem Eingang auf zwei illustre Zeitgenossen. Einer davon sieht bei herbstlichen Temperaturen aus, als käme er gerade aus dem Freibad, steht barfuß auf dem Bürgersteig, der andere wirkt etwas verschlagen. Ich wundere mich auf dem Weg zu unserem Fenstertisch über das Duo und streife den Gedanken, dass da doch irgendwie Drogen im Spiel sein könnten.
Kurze Zeit später gibt es draußen vor unserem Fenster Live-Kino: Zwei Streifenwagen begrenzen die Thai-Eingangs-Ecke, ein bulliger, glatzköpfiger Mann springt aus dem einen heraus, ich bin begeistert. „Bestimmt ein V-Mann!“, sage ich mampfend zum Mann. Während der Bullige in dem heruntergekommenen Haus gegenüber verschwindet und daraufhin ein Heroingespenst am Fenster auftaucht, steht direkt vor mir, durchs Fenster abgetrennt, ein Polizist mit einem sehr großen Geldbündel und zählt die vielen Scheine durch, die Farben haben, die ich gar nicht kenne. „Boah, guck mal, was für ein Haufen Geld“, mampfmampf, „dann ist das aber nicht nur so ein kleiner Straßendealer, dann haben die hier richtig was hochgenommen“, quatsche ich begeistert zwischen Reis, Tofu & Co. An den Nebentischen sitzen nur abgeklärte Leute, die interessiert es gar nicht, dass durch die Streifenwagen draußen die Thai-Szenerie blau-weiß beblinkt wird und richtig Action auf der Straße ist. Am liebsten würde ich aufspringen, rausgehen oder das Fenster aufreißen und den Geldbündel-Polizisten befragen, wie das jetzt genau gelaufen ist. Ist nur vermutlich keine gute Idee.
Ich überlege, was wohl gewesen wäre, wenn der Mann und ich aus irgendwelchen Gründen bei den beiden schrägen Vögeln vor der Tür stehengeblieben wären. Sagen wir, weil der Thai vielleicht noch nicht geöffnet gehabt hätte. Oder um sich den Barfuß-Mann im Freibadlook noch ein bisschen anzugucken. Wären wir dann gleich ins Raster der heranbrausenden Polizei geraten, als Kundschaft des Eck-Drogen-Deals? Hah, man weiß es nicht. Ich glotze neugierig noch ein bisschen durchs Fenster, bin beeindruckt, wie still das alles abgelaufen ist, nach einem genau festgelegten Muster surren geräuschlos die Zahnrädchen des Zugriffs auf offener Straße. Vor nicht allzulanger Zeit hätte der Polizist vor meinem Fenster noch Hemd und Blouson getragen, heute sieht die Uniform aus, als zöge er gleich in einen Krieg des Universums. Ich stochere den restlichen Tofu mit Chili und Basilikum zusammen und draußen sind urplötzlich, so blitzschnell und behende, wie sie aufgekreuzt waren, die beiden Streifenwagen mit V-Mann, Geldzähler und allen anderen wieder verschwunden.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.

Welcher Thai ist das denn? #alwayshungry
Ban-Thai auf der Bonner Straße. Dienstags zu.