Das Wunder von Belgien

„SinnSiedafürverantwortlisch?“, spricht mich ein langhaariger Mann von der Seite an, als ich mit meinem Bekannten das Brauhaus verlasse. „Ja, grundsätzlich, für alles, immer“, antworte ich ihm – „aber wofür jetzt bei Ihnen genau?“ – „Na, für DAS da!“, sagt er und zeigt auf den Fernsehbildschirm. „Japan führt, 2:0! Gegen Belgien! Dat jibt et doch nischt!“

Er verwickelt mich in eine Korrespondenz, in der es um unerwartet verlaufende WM-Spiele und ebenso unerwartet ausscheidende Mannschaften, das Steuern aus dem Hintergrund, das Ziehen von Fäden und die Möglichkeit geht, das Spiel doch noch zu drehen. Ich sage zu, mich zu kümmern und zu sehen, was ich machen kann. Immerhin hat die zweite Halbzeit gerade erst angefangen. Auf dem Nachhauseweg konzentriere ich mich radelnd ganz fest darauf, dass die Belgier zwei Ausgleichstore schießen mögen. Denke an nichts anderes.

Zu Hause angekommen, berichte ich dem Mann von meinem Erlebnis. Und davon, dass ich genau dafür Köln und den Kölner an sich schätze und gerne hier lebe. Nirgends sonst würde einen jemand so anquatschen, „SinnSiedafürverantwortlisch?“ Der Mann schlägt vor, den Spielstand nachzugucken. Es steht: 2:2. Ich bin mir sicher, wenige Kilometer weiter flippt ein Brauhausbesucher vor dem Fernsehmonitor aus. Als in der 94. Minute dann noch der 3:2-Siegtreffer für Belgien fällt, weiß ich, es gibt jetzt jemanden auf der Welt, der mich für so eine Art Heilige hält.

Die Fußi-Kette habe ich seit der WM 2006, als mein damaliger Arbeitgeber seinen Beschäftigten zum Sommermärchen dieses Accessoire schenkte. Durch die magische 3:2-Spielwende werde ich sie wie einen Rosenkranz behandeln.