Als ich nach Hause komme und den halb geschlossenen Rollladen am Küchenfenster ganz herunterlasse, fällt mir etwas auf, das da nicht war, als ich gegangen war: ein DIN A4-Ausdruck steckt im Fensterrahmen. Ich erschrecke. Habe ich das da hin gesteckt? Falls ja, lege ich auch Ausdrucke in den Kühlschrank?
Beruhigt stelle ich fest, dass der Zettel von jemand anderem hinterlassen wurde: von Polizeihauptkommissar und Bezirksdienstbeamtem Manfred Schmitz, so lese ich. Mit Foto auf dem Blatt Papier vertreten. Herr Schmitz teilt mir mit, er habe meinen „Wohnbezirk bestreift“ und „von der Straße aus sichtbar folgendes festgestellt: Fenster gekippt“. Stimmt. Ich habe mich bislang darauf verlassen, dass Einbrecher nicht durch ein zur Straße hin gelegenes Fenster mit Rollladen einsteigen, aber der Satz: „Täter erkennen einen leichten Zugang sofort“ schüchtert mich ein. Ich denke an Aktenzeichen XY. Und ich denke zurück an eine Episode, die mir vor einigen Jahren in meiner im Erdgeschoss gelegenen Single-Wohnung widerfahren ist: Des Nachts werde ich wach. Vor meinem Schlafzimmerfenster (auch hier der wohl als klassisch zu bezeichnende Harmuth-Fenster-Ansatz Rollladen halb runter und Fenster gekippt) steht ein Typ in Bomberjacke mit Baseballschläger. Ich vergewissere mich, dass ich nicht träume. Nein, der steht da wirklich. Ich krieche zum Telefon in den Flur und mit dem Telefon weiter ins nicht einsehbare Bad. Von dort rufe ich die 110 (Ha, Querverweis!).
Zwei Streifenpolizisten sind wenige Minuten später da. Sie machen überhaupt keine Anstalten, auf die Terrasse zu gehen, sondern setzen sich erstmal mit mir hin. „Sie leben allein, Frau – äh – Hartmuth? Sind Sie einsam? Träumen Sie öfter schlecht?“ Ich kann nicht glauben, was da geschieht. Ich empfange erschrocken morgens um halb vier im rosa Bademantel zwei Polizisten und die halten mich für irre. Liegt es am Bademantel? Halten die grundsätzlich alleinstehende Frauen für bekloppt? Sehe ich bedürftig aus? Der Schlägertyp ist längst über alle Berge. Später am Tag werde ich angerufen. Der Mann auf der Terrasse entstammte wohl einer Massenschlägerei in der Nacht und ist davongelaufen, hat sich auf meiner Terrasse versteckt. So ganz kaufe ich die Geschichte nicht, wieso sollte man sich vor einem halb geöffneten Fenster verstecken und nicht in einer dunklen Ecke, aber ich will schließlich weiter in meiner Single-Wohnung wohnen bleiben und schiebe diesen Gedanken deshalb beiseite. Herr Schmitz jedenfalls hat mit seinem Bestreifungsermahnungsbescheid sein Ziel erreicht. Und ich bleibe hoffentlich von Einbrüchen und Baseballschlägern weiterhin verschont – zumindest kommen die Täter dann nicht durchs Küchenfenster.
Viel zu Fuß und immer mit offenen Augen unterwegs ist die Frau aus dem Melandertal. Wenn sie es schafft, den Dingen ein Augenzwinkern abzugewinnen, teilt sie ihre Eindrücke und Gedanken zu Aktivitäten, Absurditäten und Alltäglichkeiten in diesem Blog.