Zweimal Melanie Harmuth, bitte!

Ich staune nicht schlecht, als mir der Stromversorger zum Datenabgleich fürs Onlineportal eine Adresse schickt, die definitiv nicht meine ist: eine Melanie Harmuth in Mainz. Da ist wohl was schiefgelaufen und ich alarmiere den Kundenservice, man möge dringend die Daten checken, da auf meine E-Mail-Adresse plötzlich eine andere Person hinterlegt zu sein scheint. Ich höre nichts. Nach einer Woche frage ich telefonisch nach. Am Telefon offenbart sich in voller Breite das Chaos, das der Stromversorger mit meinen persönlichen Daten veranstaltet hat: Die Melanie Harmuth in Mainz hat geheiratet im April, hieß vorher anders und hat ihre Namensänderung zur Nutzung des Onlineportals dem Stromversorger bekanntgegeben. Und irgendein Vollpfosten dort hat dann mein seit Jahr und Tag bestehendes Konto dieser neu hinzugekommenen Melanie Harmuth zugeschrieben. Die neue Melanie Harmuth wurde also gleich nochmal verheiratet – mit mir nämlich, zu einem gemeinsamen Nutzerkonto beim Stromversorger. Dort wurde dann einfach mein Geburtsdatum geändert (!!!), als Hauptadresse die Mainzer Adresse eingetragen (meine Bonner Adresse läuft als Nebenadresse weiter, ich zahle seit April, ohne es zu wissen, den Strom für zwei Haushalte, einen in Mainz und meinen in Bonn). Man will sich jetzt der Sache annehmen, kann mir aber nicht sagen, wie man die verheirateten Melaniekonten wieder trennen will. „Mensch, das ist ja auch ein Ding, dass Sie denselben Namen haben!“ Äh. Wieviele Thorsten Müllers oder Thomas Meiers mag es wohl geben in diesem Land? Zum Glück hat immerhin die Kündigung meines Kontos geklappt (vermutlich bekommt die neue Melanie Harmuth dann in Mainz ab Juli auch keinen Strom mehr), und in Köln in der neuen Wohnung werde ich ganz bestimmt einen anderen Stromversorger wählen.

„Melli Rebelli“ habe ich vor ein paar Jahren erfunden, weil man sich im Alltag immer über so furchtbar viele Dinge und Mitmenschen ärgern muss, die einen viel Zeit, Nerven und graue Haare kosten. Diese Entega-Idioten (so, jetzt haben wir die Firma wenigstens mal benannt!) gehören definitiv auch in die endlos lange Reihe von Irr- und Schwachsinnigen, die Melli Rebelli auf den Plan rufen.

Update: Ein Dienstleister der entega hat mich wenige Tage später angerufen im Rahmen einer Kundenzufriedenheitsumfrage. Wasser auf meine Mühlen! Ich wollte gerade loslegen, als die Stimme im Telefon sagte: „Ich sehe gerade, Frau Harmuth, dass Sie Ihren Vertrag gekündigt haben! Mit Gekündigten dürfen wir keine Zufriedenheitsumfrage machen!“ Ohweh. Menschen, die gekündigt haben, haben bestimmt Gründe und könnten die Zufriedenheitsumfrageergebnisse erheblich eintrüben… Um mein eigentliches Anliegen, das doppelte Melanie-Lottchen, wurde sich aber auch nach zwei Wochen und mehrmaligem Nachfragen nicht gekümmert.

Zweites Update: Ich habe als weitere Eskalationsstufe (das habe ich im Konzern gelernt, „eskalieren!“) nach dem Kundenservice den Kundenbeirat und die Öffentlichkeitsarbeit informiert. Letzteres brachte nichts, das kenne ich ja aus eigener Betroffenheit – was soll man als Öffentlichkeitsarbeiter schon machen, außer das wieder in die Fachabteilung zurückzuspielen? Nun, ich hätte wahrscheinlich eine nette E-Mail gesendet, das hat der Entega-Mann aber auch nicht getan. Der Kundenbeirat aber nahm sich endlich meiner an. Ich bekomme ein Monatslos der „Aktion Mensch“ und man teilt mir im Begleitschreiben mit, man habe „wunschgemäß das Online-Portal gelöscht“. Ich glaube, das wäre tatsächlich für alle Entega-Kunden das Beste.