Schönen Tag noch!

„Schnnnnnttaaaannnnoch“ ruft einem morgens der schwankende Mensch am Hinterausgang des Kölner Hauptbahnhofs zu, wenn man, seine ausgestreckte Hand ignorierend, an ihm vorbei geht. In die andere Richtung, abends, in den Hauptbahnhof hinein, übernimmt das dann sein Kollege, mit „Schönnnnnnammmmmnnnnnoch“. Also, ich weiß auch nicht. Ich habe mich ja schon als Neo-Spießer geoutet. Vielleicht kann ich deshalb einfach mal sagen, dass ich nicht von jedem einen schönen Tag oder Abend gewünscht bekommen möchte, zumal es ja nicht so gemeint ist. Man soll ja ein schlechtes Gewissen gemacht bekommen. Die Liste der unsäglichsten Guten-Tag-Wünscher allerdings führt etwas anderes an: die Packstation. Beim Abholen von Sendungen sagt die auf ihrem Display: „Ihre Packstation wünscht Ihnen noch einen schönen Tag!“ Darüber rege ich mich jedes Mal auf (gut, jetzt kann man sagen, wer sich über sowas aufregt, der hat wirklich keine Probleme; ich möchte behaupten, man kann Probleme haben und sich trotzdem über sowas aufregen). Dieser blöde, große gelbe Kasten, dieser Klapptüren-Adventskalender der Deutschen Post wünscht mir einen schönen Tag? Wie sieht ein schöner Tag für eine Packstation aus? „Mensch, heute wieder zehn Amazon-Sendungen, unterschiedlich groß, und wieder so viele tolle Postnummern von den Kunden, mit ganz vielen verschiedenen Zahlen, besonders viele mit meiner Glückszahl 3! Und sogar ein paar teure Klamotten von Dress-for-less und hippes Zeug von Design 3000 sind dabei. Also, das ist aber ein schöner Tag!“ Die Packstation soll einfach einpacken. Und die Klappe halten.