Heimische Schalenzeremonie

Manchmal ließ es einen Schlag im Keller, und der Gang zur Ölheizung sorgte für Gewissheit: Sie war mal wieder ausgefallen. Und damit das warme Wasser weg. Das war in Bonn. Gab es auch mit Gas in einer weiteren Bonner Wohnung. In Hamburg war das Geräusch dezenter, ein ins Leere laufende Klicken der Gastherme. Mit demselben Ergebnis: kaltes Wasser. Da ich fast nichts auf der Welt so sehr hasse wie kaltes Wasser zum Zähneputzen, kaltes Wasser zum Waschen und – die höchste Steigerungsstufe – kaltes Wasser zum Duschen, habe ich über die Jahre ein Dusch-Ersatz-Ritual entwickelt: großen Topf Wasser auf den Herd und mit warmem Wassertopf und Müslischüssel ab in die Dusche. Duschen mit Schalen. Ich hasse es. Man kriegt das Shampoo nicht richtig aus den Haaren, kann sich die Beine nicht rasieren und schüsselt sich nen Wolf. Ist aber besser als sich gar nicht zu waschen, was die Alternative wäre. Seit zwei Tagen ist es wieder soweit, der große Eintopf-Brummer aus dem Küchenschrank steht jetzt in der Dusche, zusammen mit einer geblümten Müslischüssel. Weil auch in einer topausgestatteten Neubauwohnung in Köln das warme Wasser im Bad fehlt. Diesmal ist es der Durchlauferhitzer, der sich verabschiedet hat. In Bestsellern werden ja immer Horrorszenarien beschrieben, dass Infrastruktur ausfällt und nix mehr funktioniert. Was Heizungen und Warmwassersysteme anbelangt, habe ich noch in keiner Wohnung gewohnt, in der das nicht jeweils über Tage der Fall gewesen wäre. Seit einer Stunde sollten die Handwerker hier sein und den ersehnten neuen Durchlauferhitzer einbauen. Sind sie nicht. Ich fürchte, das heißt, einen weiteren Tag mit dem Suppentopf und der Schalenzeremonie in der Dusche zu beginnen und mit unrasierten Beinen ins Büro zu gehen. Ich h a s s e es. Ommmmm……

Mit so einem kleinen, praktischen Wasserspeier auf dem Kopf wie hier bei der balinesischen Gottheit würde mir das Ersatzduschen vielleicht sogar richtig Spaß machen.